“Mordor kommt und frißt uns alle auf” – bleibt dabei aber zahnlos

Wer schon am Klappentext mit anderen Autoren verglichen wird, ist halt ein armes Schwein.

Wenn ein Autor schon von seinem Verlag mit anderen Autoren verglichen wird, ist dieser Autor ein armes Schwein. Normalerweise ist das ja einfallslosen Kulturjournalisten vorbehalten, sich in Kulturanalogien zu ergehen.

Im Fall von Ziemowit Szczereks „Mordor kommt und frißt uns alle auf“ erledigt das allerdings schon der Verlag: „Jack Kerouac“, „Gonzo“, „Hunter S. Thompson“ und „Fear and Loathing in Las Vegas“ sind die über den Klappentext verteilten Reizworte, die dem Autor Einfallslosigkeit unterstellen.

Nicht ganz zu Unrecht. Das Buch ist eine Aneinanderreihung übler Klischees über Klischees, geschrieben mit einer Alles-ist-so-arg-alles-ist-so-aufregend-Haltung, wie sie einem Boulevardjournalisten in Vor-Internet-Zeiten oder einem Hund vor dem Gassigehen geziemen würde und die auch die paar hübschen eingestreuten Formulierungen ungefähr so brachial erstickt wie die Schweißausdünstungen eines Coca Cola-Mannes das Interesse an seinem Sixpack (damit man mal ein Bild von der doch nicht so mächtigen Wortgewaltigkeit bekommt …).

Ein paar Worte zu kennen macht halt keinen Autor aus und ein lesbares Buch entsteht halt auch nicht durch eine Anhäufung von Seiten, sondern durch eine Story.

Schade drum. So ist das eine Sammlung verabenteuerlichter Burgenländerwitze ohne Pointe, nur erzählt sie eben ein Pole über Ukrainer.

Ljubko Deresch hatte in Sachen Ukraine weit mehr zu erzählen.

Michael Hafner

Michael Hafner

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