Killerkasperl Dönmez

Es ist ein erschütterndes Drama um Österreichs wildesten Abgeordneten.

Efgani Dönmez ist Nationalratsabgeordneter, hat Ärger auf der Straße und zieht ein Messer. Ein paar Tage danach stellt sich heraus, dass er auch eine Pistole hatte und anscheinend öfter unterwegs bewaffnet unterwegs ist. Die Pistole wurde ihm in Urlaub geklaut – sie ist jetzt sicher in guten Händen bei einem anderen besorgten Bürger, der auch nur auf Recht und Ordnung achtet; vielen Dank für diesen Beitrag zu sehr Sicherheit in Europa.
Jetzt kann man natürlich mal die Nerven verlieren, gerade wenn man Kinder bedroht sieht. Es ist aber nicht besonders schlau, in deren Gegenwart eine bewaffnete Auseinandersetzung zu beginnen, vor allem, wenn man als erster eine Waffe zieht.
Ich weiß nicht, in welcher Welt Dönmez lebt. Das ist eher eine rhetorische Frage, die sich ein wenig auch auf seinen geistigen Zustand bezieht. Es ist eine Welt, in der es offenbar viele Bedrohungen gibt, eine Welt, in der erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben auf den Knien zurückgelegt haben, eine Welt, die ihm offensichtlich Angst macht.
Manchmal ist es verständlich, dass man sich nicht wohl fühlt, wenn die Umgebung ungewohnt ist. Manchen Menschen fehlen auch die Sensibilität und die Flexibilität, auf die Signale zu achten, die ihre Umgebung aussendet. Sie gehen nur von ihrem eigenen Bild aus. Das ist ein Zeichen von Unreife und ein persönliches Problem. Wenn solche Menschen zuviel Gehör bekommen, ist es auch ein soziales Problem.
Deshalb möchte ich dem Herrn Dönmez ein oder zwei Geschichten erzählen.

Mein Büro ist in Ottakring und ich habe gute Aussicht auf die Straße. Direkt vor meinen Fenstern gibt es ein paar Bäume und Bänke, dort sitzen oft Jugendliche und junge Männer, trinken manchmal was, glotzen im Sommer Frauen nach und reden oft zu laut.
In der Straßenbahnhaltestelle daneben saß vor einigen Tagen ein streitendes Pärchen. Ich habe sie nicht gesehen, nur gehört. Sie stritten ziemlich laut. Plötzlich wurde beide deutlich lauter, er dürfte auch ausgeholt und sie angegriffen haben. Die Jungs sind von ihrer Bank aufgesprungen und haben ein paar Schritte auf die beiden zu gemacht. Sie sind nicht weit gekommen, der Maurer von der Baustelle gegenüber war schneller. Er hatte passenderweise ein paar Minuten vorher das T-Shirt ausgezogen und ziemlich beeindruckende Schultern. Und er war auch bewaffnet nämlich mit einem Plastikkübel und einer kleinen Spachtel. Es war genug, dass er auf halbem Weg über die Straße kam.

Das streitende Pärchen trennte sich, die Frau konnte ihrer Wege gehen, er blieb zurück. Niemand musste ins Spital, nichts kam in die Zeitung.

Die zweite Geschichte hat mit meiner Frau zu tun. Die ist derzeit Bezirksrätin und (noch) keine Nationalratsabgeordnete, einen Kopf kleiner als ich und hat ungefähr 25 Kilo weniger. Auf dem Weg nach Hause hatte sie vor einigen Wochen auch Ärger: Vier Jungs habe einen auf dem Boden liegenden Junkie verprügelt. Sie hat ihnen freundlich erklärt, dass sie das nicht tun sollen, weil sie sonst die Polizei rufen muss. Nachdem die vier ihr gesagt haben, dass sie gerne auch verprügelt werden kann und weiter auf ihr Opfer eingedroschen haben, hat sie eben die Polizei gerufen.
Das bringt dann nur Auftritte bei der Polizei als Zeugin, nicht in Zeitungen. Killerkasperl Dönmez und sein Klappmesser hätten ja wahrscheinlich das Meidlinger Taschenfeitl-Massaker veranstaltet, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Vielleicht hätten sie sich aber auch im nächsten Bunker versteckt, und von dort aus die Kavallerie angefordert – denn hey, es ist gefährlich da draußen.
Es ist vor allem dann gefährlich, wenn Menschen jegliche Sensibilität dafür abgeht, was eigentlich rund um die passiert, was das bedeutet und wie man darauf reagieren sollte.

Da fällt mir noch eine dritte Geschichte ein, die uns wieder zurück nach Ottakring führt. Dort war ich vor über 25 Jahren eine Zeit lang Kickboxen. Damals gab es noch nicht so viele Tschetschenen in Wien, also hat man sich vor den serbischen Kids gefürchtet. Wenn die im Training darüber debattiert haben, wie sie sich gegenüber anderen, die sie blöd anschauen, am besten Respekt verschaffen können, hatte der Trainer einen Tipp für sie. „Wenn du glaubst, dass du Ärger kriegst, dann machst du das ganz einfach so: Du stellst deine Sporttasche ab und steckst deinen Zahnschutz in den Mund. Dann wird sich das der andere gut überlegen …“
Natürlich steckt da auch ein bisschen zu viel Drohung drin. Aber es ist wesentlich smarter als Nationalratsabgeordnete, die mit Waffen durch die Gegend laufen, wo sie eigentlich eine Angsttherapie machen sollten. Was sie schon gar nicht tun sollten, ist anderen zu erzählen, wie schlecht und gefährlich diese Welt ist.

Michael Hafner

Michael Hafner

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