Zum Sozialfall gefördert?

Während der Vorbereitungen auf ein neues Projekt habe ich mal wieder hoffnungsfroh die Förderrichtlinien diverser österreichischer Institutionen studiert. Die verfügbaren Beträge sind verführerisch, die inhaltlichen Richtlinien klingen oft vernünftig, und auch wenn pro Antrag mehrere dreißig- bis fünfzigseitge Dokumente zu bearbeiten sind – warum nicht? Schliesslich sind wir ja angehende dynamische Gründer und kein arbeitsscheues Gesindel.
Auf die risikofreudige Dynamik legen offenbar auch die Förderer großen Wert. Neuartig sollen die Projekte sein, zukunftsweisend, tragfähig und so eine sichere Bank, dass man sie am besten gar nicht fördern müsste.
Aber: Alles muss seine Ordnung haben. Gründer solllen unbedenklich sein – das heisst vor allem: Sie sollen ihre Steuern pünktlich bezahlt haben. Und sie sollen echte Gründer sein – was bedeutet: Sie sollen allfällige Nebenjobs spätestens sechs Monate nach Erhalt der Förderzusage aufgeben. Unernehmensgründerinnen sind dann antragsberechtigt, wenn sie „die Gründung des Unternehmens innerhalb von 6 Monaten nach einer allfälligen Mitteilung gem. Pkt. 5.4 realisieren und sämtliche bisherigen unselbstständigen Tätigkeiten gänzlich aufgeben“, heisst es in den Antragsunterlagen eine großen Förderstelle. Sehr schön. Weil die echt innovativen Ideen, die förderungswürdig sind (zu maximal 50 Prozent, wohlgemerkt), innerhalb von sechs Monaten hundert Prozent Gewinn bringen. Sehr schön auch, dass andere selbständige Tätigkeiten nicht ausgeschlossen sind. Wobei man sich wohl besser auf ein Startup konzentrieren kann – als doppelt Selbständiger, oder als Unternehmer mit einem zweiten Standbein? Aber praktisch ist ja sicher, dass der (doppelt) Selbständige dann wieder voll sozialversicherungspflichtig ist, wenn die bisherige Abgabenleistung schon so eine große Rolle für die Förderwürdigkeit spielt…
Klingt so, als hätte die schöne neue Freiheit der Arbeit recht viel Angst…

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