„Sie müssen darauf schauen, dass Sie gut wegkommen“


Tim Cole war mir bis dato nicht bekannt. Umso neugieriger war ich, einen Vortrag zu hören – von ihm als einen jener arrivierten web 2.0/Social Media Keynoter, die nicht nur eingeladen, sondern sogar bezahlt werden, und die nicht aus „unserem“ Dunstkreis stammen.

Dass Web-2.0-in-60-Minuten-Vorträge wenig Neues bieten, ist klar.

Dass „Ich weiss nicht wer diesen Web 2.0 Begriff geprägt hat, muss irgendein Marketingfuzzi gewesen sein“ mal rausrutscht, kann passieren (und über die Eindeutigkeit kann man ja wirklich streiten (wenn mann möchte)), aber es macht hellhörig.

Umso fataler fand ich dann die aus ein paar Social Media Beispielen (Nestle im Clinch mit Greenpeace wegen Kitkat, Palmöl und Orang Utans, GAP und das Fiasko um das neue Logo) gezogene Konsequenz: „Sie müssen eben darauf achten, dass Sie in diesen Medien gut wegkommen. Mit allen Mitteln.“
Das als Botschaft an 150 Newbies aus einer weder Web- noch PR-affinen Zielgruppe ist eine Katastrophe. Ich höre schon die Rufe: „Dürfen die das denn?“ „Das muss man löschen, die muss man verklagen.“ „Für die Mitarbeiter müssen wir das auf jeden Fall sperren.“ „Am besten ignorieren.“

Ich habe Tim Cole nach seinem Vortrag darauf angesprochen. „Vielleicht hätte ich das anders formulieren sollen“, sagte er unter vier Augen. „Richtig ist: Sie sollen die Wahrheit sagen.“
Wäre ein Anfang. So einfach ist das.
Kann man darüber vielleicht keine bunten Bücher schreiben? Doch, kann man. Ich denke, dass man sich diesen Anspruch schon gönnen kann – auch wenn's für die Unterhaltung des (zahlenden) Publikums (das nichtzahlende ist in der Regel kritischer) nicht notwendig ist.

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