Das Internet ist ein veraltetes und langsames Medium



Letzten Monat, im hohen Norden. Blue Buddha Bar, sagte der hippe Online-Reiseführer, den es auch als iPhone App gibt, und zeigt auch gleich die Adresse an. Große Auswahl an alkoholfreien Drinks, in der Nähe des Hafens – passt. Passt nicht, sagt die Stadt. Denn die Bar gibts nicht mehr.
Diesen Monat, im Osten. Zwei Restaurants kennt die coole Travel-App – für eine Vier-Millionen-Stadt.
„Sie können das mit einem Klick recherchieren“, erklärt der Berater dem Generaldirektor. „Kann ich nicht“, sagt der Generaldirektor- „Ich habe nie Zeit, vor dem Computer zu sitzen…“

Onlinemedien beschleunigen, vernetzen und erweitern unsere Welt, ist die herrschende Lehre.
Das ist ein Mythos.
Wir wissen ein bisschen mehr. Aber sobald das die Grenzen des Mainstream überschreitet, oder sobald die Information auch nur einfach stimmen muss, der Ratschlag einfach funktionieren muss, nimmt die Zuverlässigkeit des online Verfügbaren eher ab als zu.
Warum?

  • Vernetzung und Verdichtung grenzen die Ränder aus (wir sehen mehr vom Gleichen).
  • „Einfach“ ist ein Killerwort, das erstmal alles in Frage stellt. „Das geht doch anderswo einfacher“, oder „Da geht noch mehr“ sind die Mörderphrasen der Ahnungslosen, die alles immer nur aus der Ferne betrachten.
  • Übersteigerte Erwartungen und redundanter SEO-Müll machen es neuen Inhalten, neuen Services schwer.

Global betrachtet (und wenn man den Luxus erlebt, auch in der realen Welt unterwgs zu sein) ist der digitale Kram ziemlich belanglos. Nett ist es, wenn Menschen dahinterstehen, die einen aktiven Plan verfolgen.
„Um die Jahreszeit, unter der Woche – da ist hier wenig los. Du musst genau wissen, wo du hingehst“, offenbart der Bekannte im hohen Norden am nächsten Tag.
„Kein Problem, ich zeige dir, wohin du gehen kannst“, bietet der Kollege im fernen Osten an.
„Ich glaube Ihnen das schon“, sagt der Generaldirektor zu den schnell recherchierten Zahlen. „Aber warum ist das so? Und ich möchte lieber wissen, wie Ihre Prognose aussieht und wie wir im Vergleich zu X im vorigen Halbjahr dastehen… – Oder ist das eine blöde Frage…?“ – Wie lässt sich das als Konversation mit einem Smartphone abbilden?

Die Realität ist schneller als das Internet – und um einiges komplexer. Anregende Onlinerecherchen lassen das gern vergessen: Digitale Texte (und andere Inhalte) sind genauso totes Wissen wie papierene. Lebendig wird das nur mit seinem Verwendungszweck.
Was kann das heissen?

  • Digitale Medien sind noch geduldiger als Papier – und produzieren noch mehr Müll.
  • Die Crowd kann nicht alles richten. Vor allem dann nicht, wenn alles auf Freiwilligkeit und Überschuss passiert. Frewilligket wird generell massiv überschätzt: Machen wir nicht alles freiwillig? Oder wozu wird der durchschnittliche Europäer gezwungen?
  • Unter welchen Bedingungen kann produktive Mediennutzung entstehen? Das ist eine generell vernachlässigte Fragestellung. Warum? Es ist nicht immer klar, unter welchen Bedingungen das wichtig ist. Bei internen Medien stellt sich die Frage sehr schnell: „Was bringt mir das?“ ist eine der relevantesten Fragestellungen. Offene Publikumsmedien mussten sich mit dem bislang nicht so intensiv auseinandersetzen. Nutzen – der über Entspannung und allgemeine Information hinausgeht – wird aber, wie in anderen Branchen auch, das zukünftig zentrale Unterscheidungsmerkmal.

Gibt es etwas wie digitalen Nutzen? Oder gehört hier ein Offline-Bezug dazu? – Naive Fragen? Für mich liegt die Antwort nicht so ganz auf der Hand…

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