Social Intranets für den Arbeitsplatz der Zukunft


Die CeBit Social Business Arena ruft zur Blogparade rund um den Arbeitsplatz der Zukunft. Das lässt natürlich technisch dominierte Beiträge erwarten – ist bis jetzt aber gar nicht so, obwohl eines der vorrangigen Themen in diesem Bereich in den vergangenen Jahren immer der Digital Workplace war.

Arbeitsplatz der Zukunft und neue Arbeit müssen mehreren Entwicklungen gerecht werden.

Tempo, Digitalisierung, Komplexität.

Theoretisch könnte man immer und überall arbeiten. Mobile Mails und das Smartphone sind immer mit dabei, vieles lässt sich damit direkt erledigen. – Auch wenn oft dann doch noch Dinosaurier wie Office-Programme oder Fileshares benötigt werden, um die Arbeit wirklich erledigen zu können. Mit komplizierten VPN-Zugängen für Business-Anwendungen und mehrstufigen Loginprozessen in mobile Anwendungen wird Digitalisierung dann manchmal auch vom Beschleunigungsfaktor zur Bremse.
Zeitliche Flexibilität ist ambivalent: Die Möglichkeit, den Arbeitstag einteilen zu können, bedeutet zugleich auch die Verpflichtung, ihn einteilen zu müssen und zielorientiert zu arbeiten. Das bedeutet zugleich auch mehr Verantwortung für jeden Mitarbeiter, der eben auch selbst Entscheidungen treffen muss. Das bringt zusätzliche Komplexität mit sich. – Abgesehen davon, dass Produkte, internationale Beziehungen, Spezialisierungen und dadurch notwendige Kooperationen und zunehmend schnellere Veränderung im Produktlebenszyklus (sogar im Lebenszyklus ganzer Unternehmen) noch ihres dazu beitragen, die Komplexität vielleicht ehemals einfacher Jobs zu erhöhen.
Social Intranet - Arbeitsplatz der Zukunft

Anforderungen an Management und Leadership.

Auf das einfachste reduziert: Der Manager, der seinen Mitarbeitern nicht mehr sagen kann, wann sie ihren Job machen sollen, kann ihnen auch nicht mehr sagen, wie sie ihn machen sollen. Das ist aber nicht der einzige Grund: Spezialistenjobs, Mitarbeiter, die Vernetzungsmöglichkeiten nützen, um ihren Horizont zu erweitern und sich schnell verändernde Märkte machen es dem Manager unmöglich, der beste Experte auf dem Gebiet seines Unternehmens oder auch nur seiner Abteilung zu sein. Damit – das ist ein weiterer Nebeneffekt – ist es auch praktisch unmöglich, Mitarbeiter im klassischen Sinn zu kontrollieren.
Führung bedeutet, Möglichkeiten zu schaffen; der Chef wird von Anweiser zum Dienstleister. Das Konzept des Servant Leadership beschreibt, wie sich Leadership-Konzepte wandeln und wie Manager heute dazu beitragen können, ihre Leute einen guten Job machen zu lassen – nicht durch Vorgaben und Kontrolle, sondern durch Ziele, und die Möglichkeiten, diese auch zu erreichen.

Veränderte Organisationsmodelle.

Organisationen sehen von aussen noch immer recht ähnlich aus wie früher. Es gibt Chefs, Abteilungen, Mitarbeiter und Prozesse. Innen ändert sich aber einiges. Wer kann sich noch daran erinnern dass es vor gar nicht allzu langer Zeit schlicht unüblich war, Leute aus anderen Abteilungen anzusprechen? Der Weg ging zum eigenen Chef, von dort zum Chef der anderen Abteilung, von dort zum Mitarbeiter der anderen Abteilung – und wieder zurück. Immer den Silos entlang. Und erinnern Sie sich an das erste Mail, dass sie ihrem Chef geschrieben haben? Ohne genau zu wissen, ob er oder sie das überhaupt nutzt, und vielleicht auch noch mit der Frage im Hinterkopf, ob es jetzt nicht viel zu aufdringlich wäre, solche direkt in das persönliche Equipment des Chefs eingreifenden Mittel zu nutzen?
Die flexible freie Organisation, in der von manchen Visionen die Rede ist, ist noch weit entfernt – aber im großen Überblick sind Veränderungen deutlich.

Erwartungen an Organisationsmodelle.

Wie können Organisationen auf die Veränderungen, die gerade erst begonnen haben, reagieren? Wo ist die Grenze zwischen realistischen, produktiven Möglichkeiten und unproduktiver Phantasie? Unternehmen werden immer ein einfaches Ziel haben – Gewinne zu machen. Das gilt grundsätzlich auch für Non-Profits, die ihre Gewinne eben anders verteilen. Es wird immer Hierarchien geben, und es wird immer einige wenige zentrale Stellen geben, die erklären, wo es lang geht – was das Unternehmen macht.
Was allerdings zunehmend zur Diskussion steht, ist der Weg dorthin: Wie arbeiten wir, wie erreichen wir die Ziele, wie arbeiten wir zusammen? Wirearchy ist etwa eines der gut durchdachten Konzepte, die mögliche neue Organisationsmodelle und deren Kooperationsformen beschreiben.

Neue Generationen.

Diesem Punkt gebe ich eher geringe Bedeutung. Das liegt daran, dass Generationen und deren Einstellung zum Job kein Zukunftsthema sind. Veränderungen finden bereits statt und lassen erkennen, wie unangemessen aktuelle Organisations- und Hierarchieformen oft sind. Zum anderen sehe ich nicht, dass diese Einstellung eine Altersfrage ist – ein anderer Umgang mit Arbeit, der diese nicht als höchte Priorität im Leben sieht, zieht sich durch alle Jahrgänge, nimmt vielleicht ein wenig zu, aber gerade jüngere Arbeitnehmer nehmen ihre Jobs nach wie vor sehr ernst. – Es hängt davon ab, wie sie die ersten Jahre erleben

Der Arbeitsplatz der Zukunft dreht sich um Kommunikation.

Das sind einige Rahmenbedingungen, mit denen ein Arbeitsplatz der Zukunft zurechtkommen muss. Die zentrale Dimension des neuen Arbeitsplatzes liegt in der Kommunikation. Kommunikation ist die Grundlage von und Voraussetzung für Kollaboration, über Kommunikation werden Ziele Visionen, Werte und Strategien vermittelt. Über Kommunikation und interne Medien erfahren Mitarbeiter, worum es im Unternehmen im großen Stil geht, und sie können die Kultur des Unternehmens erfahren. Das Was und das Wie werden auf diesem Weg vermittelt.
Gerade in flexiblen und offenen Organisationen tritt dabei die persönliche Kommunikation in den Hintergrund. Nicht weil sie nicht erwünscht wäre oder weil sie weniger wichtig ist – die Gelegenheiten nehmen einfach ab. Es sind nicht mehr immer alle zur gleichen Zeit am gleichen Ort.
Und das bedeutet: Egal wie der Arbeitsplatz der Zukunft aussieht, ob es um neue Raumarchitekturen, Shared Desks, mobile Clients, offene Räume, Homeoffices oder Phantombüros aus Laptop und Kaffeehaustisch geht – Kommunikation und Unternehmensmedien werden die tragenden Säulen sein.
Die Schwerpunkte dabei liegen nicht nur im digitalen Bereich. Gedruckte Magazine und andere analoge Medien spielen im Bereich der Wertevermittlung, der Orientierung und der Kommunikation eine ebenso wichtige Rolle. Sie liefern Fixpunkte in Umgebungen, die viele Enden offen lassen.
Digitale Medien haben aber natürlich ihre Vorteile in offenen Organisationen:
Sie ermöglichen Interaktion – und vor allem machen sie Interaktion sichtbar. Interne soziale Netzwerke wachsen langsam; sie brauchen Geduld, sie müssen Anknüpfungspunkte liefern, Inhalte, die zur Beteiligung anregen, sie müssen leicht nutzbar sein und dürfen nicht auf Inhalte verzichten.
Social Intranets binden Mitarbeiter ein, stellen das Unternehmen dar, sind die erste Anlaufstelle für Information rund um den Job, lassen Mitarbeiter erkennen, dass Leben im Unternehmen ist, sie funktionieren zeitversetzt und ortsunabhängig und passen sich damit an die Gegebenheiten neuer Organisationen an.
Social Intranets sind nicht der Arbeitsplatz der Zukunft. Aber professionelle Unternehmensmedien, die Ziele vermitteln, Werte und Strategien kommunizieren können und Interaktion ermöglichen, Beziehungen sichtbar machen, sind zweifelsohne dessen Rückgrat. Ohne funktionierende, soziale Unternehmensmedien wird der Arbeitsplatz der Zukunft nicht funktionieren.

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