Sie haben uns etwas voraus

Heute Nacht bin ich nach reiflicher Überlegung zu der definitiven Überzeugung gelangt: Schokolade-Krampus- und Nikolaus-Figuren haben uns etwas voraus. Das liegt nicht nur am konzentrierten, pointierten und organisierten Auftreten, sondern vor allem an der genial raffinierten Strategie, ein Leben in Alufolie zu verbringen: Ganzkörper-Tinfoil-Hats gegen unerwünschte äussere und ausserirdische Einflüsse – das klingt nach dem Gebot der Stunde!


Unsereiner plagt sich vielleicht mit politischen und finanziellen Sorgen. Wo solls hingehen, wie wird sich der Euro-Franken-Kurs weiter entwickeln, wie wird das dritte Jahr ohne echtes Wachstum, dafür aber mit steigenden Preisen funktionieren?
Dazu kommen noch marketingtechnische und andere Beziehungssorgen: Wie machen wir klar, wofür wir stehen, wie wir wahrgenommen werden wollen, und für wen wir wann da sein möchten?
Und wie wehren wir uns dagegen, dass zumindest die offiziellen Teile des Lebens in der Gegenwart nicht dazu erfunden wurden, Freude zu bereiten?
Die Schokoladefiguren begegnen solchen Sorgen mit der einfachen Strategie, nur selten, dafür aber umso mächtiger und mit entsprechender Begleitinszenierung aufzutreten. Willenlose Opfer einer gnadenlosen Marketingmaschinerie, könnte man meinen. Aber da sind eben noch die Alu-Anzüge. Jedes Kind weiss, dass Hüte aus Alufolie die Hirnströme vor unerwünschten Alien- oder Telepathie-Einflüssen schützen. Wie effizient muss dann erst eine den ganzen Körper bedeckende Hülle sein.
Ich bin mir sicher, sie haben uns etwas voraus. Sie planen etwas, das wir nicht wissen und wahrscheinlich auch gar nicht verstehen können. Kein Wunder, so gnadenlos, wie sie verfolgt und vernichtet werden. Und trotzdem jedes Jahr wiederkommen. Eine echte Heldenstory eben… Würdigt euren Krampus.

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