Gibt es überhaupt so etwas wie Rezession?

In seinem aktuellen Buch „The making of the social World“ führt der Philosoph John Searle den Begriff Rezession als Beispiel für „institutional facts that do not require collective recognition“ an. In seiner Terminologie sind das Dinge/Zustände/Konstruktionen, die es gibt – ohne dass es sie gibt, ohne dass allen bewusst ist, dass es sie gibt und dass sie gerade stattfinden. Das hat damit zu tun, dass es sich um Abweichungen von Konstrukten handelt, von Begriffen oder Annahmen, die beschreiben, wie die Welt sein sollte.


Rezession als Phasen sinkender Wirtschaftsleistung, gab es, bevor es überhaupt Methoden gab, die Wirtschaftsleistung zu berechnen. Seit wir diese Daten erfassen können und die kollektive Überzeugung entwickelt haben, dass es immer aufwärts gehen muss, gibt es den Begriff der Rezession als klar definierten und überdies wertenden Begriff.
Ich finde das bezeichnend. Rezession, das Schreckgespenst aller und die Keule die über uns und allen künftigen Generation schwebt, gab es vor noch gar nicht allzu langer Zeit – ohne dass es sie gab. Und ohne dass sie Regierungen, Unternehmen und Finanzmärkten Argumente für Kürzungen, gestraffte Margen und endlose Gier lieferte.
Die Tatsache, dass es wirtschaftlich abwärts geht, erfordert niemandes Zustimmung, um eine Tatsache zu sein. Die Tatsache, dass das ein Problem ist, das am besten mit diesen oder jenen Zwangsmassnahmen zu bekämpfen ist, dagegen schon.

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