Open Data mit dem Datenkompetenzdisclaimer




Beim Twentytwenty Open Data-Event diskutierten Daniel Dietrich, Thomas Thurner, Michael Rederer und Hubert Sickinger sehr nüchtern und informativ die Zukunft von Open Data.
Dass unberechenbarer Interpretationsspielraum, Datenmissbrauch, mangelnde Medienkompetenz oder schlicht Desinteresse die grössten Feinde der Idee der transparenten Verwaltung sind, stellten sie ebenso klar wie einige andere Grundzüge des Open Data-Universums.

  • Open Data bedeutet in erster Linie Open Government. Daten die alle betreffen – und die allen gehören – sollen als öffentliches Gut behandelt werden. Die Abgrenzung ist schwierig: Müssen Unternehmen, die mit öffentlichen Institutionen arbeiten, auch mehr Daten offenlegen müssen als andere? Welche personenbezogenen Daten sind öffentlich, welche nicht?
  • Was bringt Open Data? Derzeit, vor allem mangels Offenheit – nichts. Es gibt noch zu wenig verfügbare Daten, zu wenig Einigkeit darüber, was wie veröffentlicht werden sollte, zu wenig Bereitschaft, alles aufzuarbeiten – und zu wenig User, die sich dafür interessieren.
    Jetzt sei es aber vor allem notwendig, mahnte Dietrich ein, den Boden und das Mindset zu bereiten.
  • „Open Data ist die Einrichtung öffentlicher Bibliotheken, das hat zu Beginn auch niemanden interessiert“, erklärte Thomas Thurner. Der Vergleich wirft in doppelter Hinsicht Licht auf einen problematischen Punkt: Bibliotheken interessieren auch heute kaum noch jemanden – und sie sind nicht die so neutralen Wissensvermittlungscontainer, wie es den Anschein haben mag: Welche Bibliothek kauft welche Verlage, welche Autoren? Wie wird katalogisiert und sortiert? Zahlreiche übergangene Steuerungsmechanismen filtern und formen die verfügbare Information – ähnlich wie es bei Open Data auch immer der Fall ist.

Und was heisst das jetzt?, habe ich schon vorher gefragt.

  • Vielleicht lässt der Begriff Open Data zu viel erwarten. Offenheit, Freiheit, Ehrlichkeit, Transparenz lässt sich über Daten allein nicht erreichen. Eher im Gegenteil. Ich glaube auch, dass sich etwas Transparenz in Ausschreibungs- und Vergabeverfahren nicht über Daten allein erreichen lässt: Es sind nicht immer nur Zahlen ausschlaggeben, und es ist keine Ausschreibung so perfekt, dass sie allein anhand der Angebote entschieden werden kann; das ist ein wirklich gefährlicher Irrglaube.
  • Hilfreich wäre sicher eine gewissen Standardisierung: Welche Daten sollen offen sein, welche nicht. Derartiges Wissen ist überaus hilfreiches Recherchematerial, es sorgt für unaufgeregten Umgang mit Information (wieviele exklusive Geheimdokumente man doch in den Parlamentsprotokollen nachlesen kann..). Schliesslich sorgt dieses Wissen um zukünftige Transparenz sicher auch für mehr Sauberkeit: Wenn klar ist, dass Daten jedenfalls offen liegen, dann liefert das weit mehr Anreize, als die Aussicht, sie bloss vor einzelnen Prüfern argumentieren zu müssen.
  • Wichtigster Punkt bleibt die Medien- und Datenlesekompetenz. Schon auf einfacher Ebene gibt es hier grobe Mängel; noch schlimmer wird es, wenn Relationen und Entwicklungen gefordert sind: Sind 3000 Euro viel oder wenig als Monatsgehalt, ist ein halbes Grad Abweichung von der durchschnittlichen Monatstemperatur vernachlässigbar oder aussergewöhnlich, und wird die nächste Fussball-WM wirklich von 30 Milliarden Menschen verfolgt?
    Daniel Dietrich shclug einen Datenkompetenzdisclaimer vor. Ich halte es für wichtig, hier nicht nur die Datenkonsumenten, sonder auch die Produzenten in die Pflicht zu nehmen: Das Verarbeiten von offenen Daten ist nur zum Teil ein technisches und grafisches Problem, die wesentliche Herausforderung bleibt immer noch visueller Natur. Und sie sollte mir der Frage beginnen: Was heisst das jetzt?

Links zu Open Data:
Open Government Data Konferenz
Open Government Data Austria
Open 3 . Open Government, Open Data, Open Society
Open Data Network

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