Funktioniert Micropayment?



Funktioniert Micropayment, war die Frage. Wie Micro ist noch Micro?, lautet die Gegenfrage. Micropayment ist eine Form, verschiedenste Zahlungen abzuwickeln, ohne Kommissionen und andere Fees zu viel wegfressen zu lassen. Jeder kann handeln - und die Integration ist einfach.

Trotzdem sind noch immer auf der Suche nach dem kommerziell erfolgreichen Businessmodell für Onlinemedien. Wofür sollen wir zahlen, und vor allem - wer soll zahlen? Das waren die Fragen, die ich mir letzte Woche hier gestellt habe. Schon vor einigen Monaten habe ich vermutet, dass Onlinemedien einfach noch nicht die aufregende, anregende, befriedigende User Experience gefunden haben, für die User gerne zahlen möchten.
Woran liegts also, das wir noch immer auf der Suche nach dem passenden Modell sind?

  • Die Technik, finde ich, funktioniert. Jeder kann mit wenigen Klicks innerhalb von 30 Sekunden seine Contents in ein Produkt verwandeln. Die Fees der Paymentanbieter könnten natürlich immer niedriger sein, sind aber erträglich. Und Anbieter wie Paypal sind auch groß und bekannt genug, um keine Sicherheitsbedenken aufkommen zu lassen.
  • Sichere Downloads, Kundenservice und CRM sind auch keine extreme Herausforderung mehr. Lösungen, die dem Kunden ein gutes E-Commerce-Erlebnis bieten, sind da.
  • Bleibt immer noch die Frage nach dem Nutzen und der grundlegenden Motivation, warum wir überhaupt für etwas zahlen sollen: Was von all dem, das wir haben, brauchen wir wirklich?

Nutzen ist nicht nur eine Frage des Contents an sich. Falsche Information ist weniger nützlich als richtige, ungenaue weniger als präzise - auch das sind schon Grundsätze, die in Medien nicht immer beherzt werden. Nutzen steigt aber nicht nur mit der fachlichen Qualität, sondern auch mit der funktionalen Qualität von Diensten. Welche Möglichkeiten bietet das gekaufte Produkt, wie kann es in den Alltag des Nutzers und in dessen notwendige Prozesse und Aufgaben integriert werden? DIe radikale Nutzenfrage, der sich vor allem unternehmensinterne, an Arbeitsaufgaben gebundene Onlinetools und -medien intensiv stellen müssen, kommt bei öffentlichen Medien oft zu kurz.
Was kann funktionale Qualität von Information sein?

  • Information, die gelesen werden muss und dann hoffentlich irgendwie erinnert werden kann, ist ein magerer Start.
  • Weiterführende Information, Hintergründe, Links und andere Anknüpfungspunkte sind da schon besser.
  • Wichtiger funktionaler Aspekt ist vor allem aber auch die Frage der Verwertbarkeit der Inhalte in ganz banaler Hinsicht: Warum einen gekauften Content nur auf einem Device lesen? Warum nicht die Nachrichten, die ich beim Frühstück auf dem Smartphone gelesen habe, während der Fahrt ins Büro im Autoradio als Podcast weiterhören, dann ausschnittweise in eine Notiz-App exportieren, von dort als Textentwürfe mit korrekten Links und Quellenangaben in meinen Blog? Warum nicht erwähnte Personen gleich als Kontakte anfügen, mit direkter Vernetzungsmöglichkeit?
  • Und was genau ist die Leistung von Medien? Das Verbreiten von Informationen? Das Erstellen von Information? Das Prüfen? Von Direct Mailern über PR-Abteilungen bis eben zu den Lesern selbst gibt es mittlerweile überall jemanden, der das gründlicher macht.

Ok, das war eine Abschweifung zu Businessmodellen, eigentlich wollte ich über Micropayment schreiben.
Ich sehe zwei große Paymentformen: Klassische Micropaymentmodelle (ein User kauft ein bestimmtes Produkt bei einem Anbieter) und soziale Micropaymentmodelle.
Die klassischen Micropaymentformen unterscheiden sich für den User nicht wirklich von anderen Zahlungsformen: Über eine bestimmte Zahlungsschnittstelle (Konto, Kreditkarte oder in diesem Fall eben einen Onlinedienst) wird ein bestimmter Betrag an einen bestimten Anbieter für ein bestimmtes Produkt bezahlt.
Voraussetzung dafür sind entweder Prepaid-Accounts, die von einem Konto aus aufgefüllt wurden, oder Kreditkartenverbindungen.
Namhafter Anbieter ist etwa Paypal - mit wenigen Klicks können für Händler und User brauchbare Dienste erstellt werden. Händler können dabei zwischen Warenkörben (mehrere Produkte werden zugleich gekauft), "Jetzt Kaufen"-Links (einzelne Produkte) und Abo-Formen wählen. Paysafecard, Click & Buy oder Allopass bieten ähnliche Funktionen.
Vorteil für den Händler: Er muss keine Verträge mit Kreditkartenanbietern abschliessen, braucht keine Bankverbindungen zu veröffentlichen und kann den Zahlungseingang sofort feststellen. Damit ist es auch kleinen Anbietern möglich, Zahlungen schnell, direkt und aus unterschiedlichen Ländern und Währungen zu empfangen.
Vorteil für den Käufer: Die großen Zahlungsanbieter bieten ein Maß an Sicherheit, oft auch Garantien, die Zahlungen kommen oft schneller und einfacher an als bei Überweisungen, bei vielen Zahlungsformen werden nur Emailadressen durchs Netz weitergegeben, keine kritischen Bankdaten oder Kreditkartennummern, und oft sind sogar Stornomöglichkeiten oder Schlichtungsstellen vorgesehen.

Soziales Micropayment bezieht sich in der Regel nicht auf einen konkreten Produktkauf. Flattr und Kachingle, die zwei derzeit prominentesten Anbieter, sehen vor, dass User ein bestimmtes Onlinebudget einzahlen, dass sie dann über einen Zeitraum hinweg verteilen. Social Micropayment eignet sich weniger für den Verkauf von spezifischen Produkten, es handelt sich mehr um eine Form des Spendensammelns vor allem für Blog-Autoren. Blogger müssen Links (Flattr-Buttons oder Kachingle Medallions) auf ihren Seiten einbinden, um anzuzeigen, dass sie auf diese Weise gern Geld verdienen würden.
Flattr User verteilen dann ihr Geld, indem sie immer wieder auf Flattr-Buttons klicken; jeder Klick bestimmt die Verteilung des reservierten Geldbetrags am Monatsende. Kachingle dagegen misst die Nutzung selbst: User müssen einmal angeben, dass sie dieses Service "kachinglen" möchten - dann zählt jeder Besuch und erhöht den Anteil des Budgets, den dieses Service am Monatsende bekommen wird.
Um den sozialen Aspekt hervorzuheben, ist in beiden Fällen auch sichtbar, wer wieviel wofür ausgegeben hat - User können einander zusehen. Das zieht einerseits neue Userkreise an und vergrößert dadurch die Zahl der potentiell zahlenden User (wenn mein Freund bezahlt hat, zahle ich vielleicht auch), andererseits, so wird oft kritisiert, trägt diese soziale Komponente auch dazu bei, dass vor allem die Einnahmen ohnehin schon größerer und populärerer Dienste steigen. Die Hürde, der erste Flattrer oder Kachingler eines Services zu sein, nimmt nicht jeder User locker.

Funktioniert Micropayment?, war die ursprüngliche Fragestellung. - Einerseits ja; Geld fliesst, kommt an, und auch die für den User notwendigen Schritte sind vertretbarer Aufwand. Andererseits enthebt eben auch funktionierende Technik nicht der Notwendigkeit, noch immer ein Produkt zu haben. Funktionierendes Produkt ist nicht nur etwas, das verrechnet werden kann, es gehört auch dazu, dass jemand dafür bezahlen möchte... Und das wieder ist eine Frage des Nutzens.
Erfolgreiche Paid Content- oder Paid Service-Beispiele kommen selten aus dem Nachrichtenbereich: Burda macht sein digitales Geld mit Singlebörsen und Reiseportalen, lynda.com gilt als ein Paradebeispiel erfolgreichen Paid Contents aus dem Tutorial-Bereich. 45 Millionen Besucher pro Jahr werden auf der Suche nach Problemlösungen rund um Photoshop, Flash und Co fündig - und viele von ihnen zahlen die monatlich 25 $ Fee, um die Tutorials zur Gänze ansehen zu können. Die Tutorials sind großteils nüchtern, sachlich, informativ - und von sehr hoher Qualität. Letzteres wird dadurch erreicht, dass die Tutorial-Autoren direkt an den Umsätzen ihrer eigenen Produktionen beteiligt werden. Vielleicht ist auch das ein Hinweis für neue Medien-Businessmodelle...

Praktisches Testen


Hier sind einige Zahlungslinks testhalber eingebaut. Die Zahlungen lösen echte Transaktionen aus - also nur benutzen, wenn Sie das wirklich möchten - das Geld kommt nicht zurück... 😉
Um die folgenden Links reibungslos nutzen zu können, brauchen Sie funktionierende Accounts bei Paypal, Flattr, Kachingle.

Flattr

Flattr this

Kachingle me

Paypal Spende - beliebiger Betrag





Paypal Abo 6 Monate





Paypal - Prodktkauf: Kaufen Sie den MBB (Master of Bullshitbingo)

Paypal - ungesicherter Download Kaufen Sie "Wie die Tiere"

Allopass - gesicherter Download - Kaufen Sie "Funktioniert Micropayment?"



Material

Blogger über (Social) Micropayment

Warums hier keinen Flattr-Button gibt
Zukunftsmodell Social Micropayment?
Über Flattr und Co
Zur Politik - Falsche Vorurteile über Flattr

Slideshare

Kachingle: Micropayment Marketplayers
Kachingle: Micropayment fpr digital goods in a social world
Micropayment für Stiftungen und Social Business
Hi-Media: Micropayment Observatory 2010

Meine Präsentation vom VÖZ Digital Media Day

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