Innovationskongress: Wissen wird überschätzt

Von 17 bis 18. November findet in Villach der Innovationskongress statt. Ed Wohlfahrt ruft als Blogverantwortlicher zur Blogparade (mit Ticketgewinnchance) auf. Im Innovationskongressblog findet sich auch eine Reihe von Fragestellungen zur Auswahl, die als Anregung in die Runde geworfen werden.
Eine dieser Fragen: „Welches Mindset führt am Ende zu Ideen und Innovation?“ Ich habe das schon öfter behauptet und wiederhole meine Position hier gerne: Ideen werden überschätzt.
Das liegt nicht daran, dass Ideen wertlos oder unwichtig sind. Ich halte es nur nicht für den schwierigen Teil im Innovationsbusiness, Ideen zu generieren. Viel schwieriger ist es, sie zu prüfen, in Form zu bringen, und vor allem auch, sie in der Organisation am Leben zu erhalten.


Ideen- und Geniekult auf der Suche nach dem einzigartigen führt in erster Linie zu Lähmung. Mal ehrlich: Wer hat sich bei den allerersten Ankündigungen zum iPhone nicht gedacht: „Na und? Internet gibt’s, Handy gibt’s, und Internet am Handy war einfach immer schon eine miese Erfahrung…“?
Organisationen, die Think Tanks beschäftigen ohne direkten Draht zum Tagesgeschäft, die Visionen für die Zukunft verfolgen und sich auf künftige Megatrends ausrichten, haben gewiss eine Chance, für diese Themen in der Zukunft besser gerüstet zu sein – wenn es sie dann noch gibt.
Oft effizientere Inspiration kommt aus der Frage, wie die Probleme von heute morgen gelöst werden können. – Die besten Innovationen sind die, die gar nicht auffallen – weil sie Probleme eben so reibungslos lösen, dass sie sich sprichwörtlich in Luft auflösen.
Das erreicht man mit einer Hands on Mentalität, die sich Problemen praktisch nähert, Dinge ausprobiert, zu Ende bringt, prüfen und beurteilen kann – und aus einer professionellen, fachlich abgesicherten Perspektive auch den Blick über den Tellerrand wagen kann: Was machen die anderen, seien es nun Kollegen oder die Konkurrenz?
Innovation ist Kleinarbeit: Seien es nun an die 6000 Materialtests für den Glühfaden in der Glühbirne, oder unzählige neue Netzwerkfunktionen in Facebook. Hypes liefern Starthilfe. Echter Einfluss – und damit Innovation – kommt aus Details.
Das Problem an dieser Perspektive ist, dass sie so missverstanden werden könnte, als seien Visionen und große Pläne reine Schwärmerei. Das ist Unsinn. Sie sind die absolute Voraussetzung, um weitermachen zu können. Es ist unbedingt notwendig, die gewünschte Richtung zu kennen, um den nächsten Schritt machen zu können – aber auch dann geht eben immer erst mal nur ein Schritt…

PS: Rückblickend noch eine Präsentation, die ich am letzten eDay der Wirtschaftskamer gehalten habe: Thema war Wissensmanagement; mit ging es darum, zu zeigen, dass ich die schwierigste Herausforderung für Unternehmen weniger in der Erzeugung und Bewahrung von Wissen (Ideen, Innovationen) sehe, sondern vor allem in der Überführung in die Organisation und der Umsetzung.

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