Der Mönch, der Pornostar und das Frauenministerium: Echte Männer pfeifen drauf



News aus Nerdland.Echte Männer, sehen wir in einem aktuellen Werbespot des Frauenministeriums, gehen in Karenz. Wir lernen: Es gibt also echte Männer.
„Männer sind also die, die immer noch auf dem Sofa sitzen“, habe ich zum gleichen Thema, zu einer ähnlichen Kampagne der gleichen Behörde vor vielen Jahren im „Falter“ geschrieben. Das kam offenbar so gut an, dass dieser Artikel (mein einziger lustigerweise) auch in der Zeitschriftensuche der Nationalbibliothek archiviert ist.

Jetzt, über fünfzehn Jahre später, gibt es also noch immer echte Männer. Sie sind zum Beispiel Biker, riechen sicher ein bisschen muffig, haben Frau und Kind und können alles handlen. Pech für Schwule, Kinderlose und all jene, die sich waschen und nicht so auf Leder stehen.
Wobei wir daraus kein Drama machen brauchen. War ja lustig gemeint. Lustiger, und bedrückender, finde ich aber den Gedanken, dass es überhaupt echte Männer gibt. Und dass die anständig animalische Klischeerollen erfüllen.
Wehleidig, empfindlich, rechthaberisch, höre ich schon. Damit wirst du doch zurechtkommen. Als echter Mann? Sicher.

Ich sehe hier auch keinen Angriff auf oder gegen Männer, ich sehe eine Spirale, die hier gestartet wurde und die, wenn sie nur mal in Schwung kommt, richtig viel Dreck aufwirbeln kann.

Es gibt also echte Männer. Die haben die Dinge im Griff, setzen sich über Grenzen und Klischees hinweg und tun das Richtige. Sie regeln Dinge, sie sind sie selbst. Wer setzt ihnen Grenzen? Andere echte Männer? Echte Frauen?
Ein echter Mann braucht seine Gang nicht, er kommt allein zurecht und fährt mit seinem Kinderwagen gegen den Strom. Das wussten wir auch schon vorher: Echte Männer gehen nicht zum Arzt, bitten nicht um Hilfe und fragen nie nach dem Weg – das liebt ihr doch so an uns, oder?
Echte Männer springen über ihren Schatten, sprengen Konventionen – und hoffen darauf, dass jemand ihr Nest oder ihr Höhle oder ihren Balztanz gut findet.
Hauptsache machen.

Zen-Punk Brad Warner führte für sein aktuelles Buch ein langes Interview mit 80er-Jahre Pornostar Nina Hartley (ich kannte sie vorher auch nicht. Ehrlich.). Irgendwo mitten drin heisst es: „..at least women have the comfort of having girlfriends they can come to and unload their feelings and get some support and some fucking compassion. You, as a man, if you’re lucky, mighthave a partner you can talk to about things. But the average guy can’t go to his guy friends and say I’m hurt, I’m scared, I’m nervous, I’m worried, frightened. You can be angry, and that’s about it.“ Da spricht der Pornostar.
Lustiger sind die Biker. Näher am echten Mann ist die Pornodarstellerin. – Das haben Sie jetzt selbst gedacht.

Comments 0

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Der Mönch, der Pornostar und das Frauenministerium: Echte Männer pfeifen drauf

log in

reset password

Back to
log in