Design beginnt nicht mit der Grafik


Es war mal eine Errungenschaft, Medienkonzeption nicht an den Texten aufzuhängen. Design, wussten fortschrittliche Medienmacher, ist nicht nur eine Marketingkomponente, sondern hat auch grossen Einfluss auf redaktionelle Abläufe, mögliche Inhalte und die inhaltliche und ideologische Ausrichtung.
Textwüsten wurden von schönen Seiten abgelöst, die ja zur Not immer noch den Text hatten um - wo erklärungsbedürftig - auch erklärt werden zu können.

Leider gibts nicht nur diese fortschrittlichen Medienmacher noch immer, sondern auch - mit der üblichen Immovationsverzögerung - ein breites Verständnis darüber, dass Medien von Designern gemacht werden. Auch das wäre ja nicht schlecht - wenn nicht Designer mit Grafikern verwechselt würden.

Nichts gegen Grafik - Blickfang, Kommunikationsinstrument, Verkaufsargument, Differenzierungsmerkmal, Identifikationsvehikel - alles und gerne mehr; Grafil ist aber kein Mittel, um eine Medium zu gestalten. Schongar nicht, wenn es weit mehr verwenden kann als Text und Bild.
Online müssen

  • Abläufe gestaltet werden
  • Informationskanäle gelegt werden - für zukünftige (was mache ich mit aktuellen Themen) und vergangene (Archiv) Funktionen
  • grafikunabhängige - weil von Endgeräten abhängige - Userflows geschaffen werden
  • und schliesslich müssen noch Redaktionsprozesse geschaffen werden, die das Ding auch am Leben erhalten können.

Specification by Design - wobei die Abläufe und Funktionen anhand von Grafiken in einem fröhlichen Ratespiel reverse engineered werden müssen - sind hier eine der denkbar schlechtesten Vorgangsweisen.
Trotzdem werde ich dann immer wieder zu Notoperationen gerufen, bei denen dann tief in Designskizzen verklemmte Nerven der Benutzerführung freigelegt werden müssen.

Was heisst das jetzt für die Auftragsvergabe in Onlinemedienprojekten:
Heuern Sie auf jeden Fall einen Grafiker an - sichtbare und schöne Entwürfe verschaffen ein viel besseres Bild und sind schon in der PLanungs- und Budgetierungsphase ein wichtiges Verkaufsargument
Spannen Sie den Grafiker mit jemandem zusammen, der das Ergebnis dann auch in der Organisation tragen muss, der damit leben wird.
Falls notwendig, holen Sie einen Experten für Onlinemedien und Medienproduktion dazu, der die richtigen Fragen stellt, an notwendige Standardprozessschritte erinnert und sich aus der Organisation Antworten holt, die dann auch entsprechend umgesetzt werden können.
Und Grafik muss heute Hand in Hand mit der technischen Umsetzung und zusätzliche Knowhow wie Suchmaschinenoptimierung erledigt werden - wer auf den ersten Blick alles  aus einer Hand bietet (Core Design Studio Webdesign Berlin), hat gute Chancen...

Aber Design als Grafik ist weder der Anfang noch das Ende eines Projekts.
Habe ich offene Türen eingerannt? - Kaum etwas freut mich mehr...

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