Information Architecture Diaries: Die Corporate Content-Timeline

In großen Content-Projekten kommt irgendwann unweigerlich der Punkt, an dem man Nachrichtenportale beneidet. Wie schön, wenn so einfache Sortierkritierien wie Aktualität alles overrulen. – Und so funktionieren nicht nur Nachrichtenportale. Twitter, Facebook, Google Plus, alle möglichen sozialen Dienste gewichten Aktualität stark und nutzen Relevanz oder Nähe zur Korrektur. Inhaltliches spielt kaum eine Rolle. – Lässt sich davon für die Organisation von Unternehmenscontent gar nichts anwenden?

Timeline

Gehen wir nach Produkten oder nach Prozessen? Aufbauorganisationen sind schon lange ein NoNo, genau so wie die Organisation nach Kundengruppen.
Es gibt jetzt klassische Ansätze, dioe bewährtesten gehen grundsätzlich prozessorientiert vor, verwenden Produktgruppen und manchmal doch auch Kundenklassen oder Zielgruppen als zusätzliche Sortierkritieren und versuchen immer die Frage zu beantworten: Wer braucht diesen Content eigentlich? Und wann? Innerhalb des Unternehmens lässt sich dabei klar sagen: Die meisten Inhalte werden von vergleichsweise wenigen und ziemlich selten gebraucht. Sie sind für neue Mitarbeiter interessant, sie sind in Sonderfällen und bei nicht alltäglichen Aufgaben interessant (zu denen es allerdings auch selten Regelungen gibt), und sie werden kurzfristig wieder interessant, wenn es Updates gibt.
Vor allem der letzte Punkt führt mich zu einem Experiment im Intranet: Warum nicht auch Unternehmenscontent als Timeline darstellen? Der Plan ist schnell gefasst und klingt einfach, aber schon vor den ersten Usertests tauchen eine Reihe Fragen auf:

  • Soll wirklich alles dargestellt werden?
  • Minor Updates auch?
  • Soll der User auswählen oder ausschliessen können?
  • Ist das ein Zusatzservice oder die neue Startseite?
  • Opt in oder opt out?
  • Auf welche Ebene soll die Auswahl getroffen werden: Alle Updates in einem Hauptnavigationspunkt? Oder ganz im Gegenteil nur Änderungen an einer bestimmten Seite? Oder Änderungen, wo der User einmal interagiert hat: Bewertet, kommentiert, weitergeleitet… ?
  • Ist es spannend oder voyeuristisch, einzelne User zu verfolgen? Wie sieht das bei Redakteuren aus? Und wie bei Mitarbeitern wie du und ich und deren Interaktionen?

Ich gehe jetzt intern einmal mit einem Testballon ins Rennen, der

  • User auswählen lässt: Was sie nicht aktiv auswählen, ist nicht in ihrer Timeline.
  • Auswahlen auf klar eingegrenzten Bereichen zulässt: Updates aus diesem Blog, aus diesem Wiki
  • Wert auf Interaktion legt: Reaktionen auf Inhalte sind abonnierbar, aber nicht pauschal alle Redaktionen eines Users

Ich bin neugierig auf die Reaktionen und die geforderten Updates. Und denke mir: Vielleicht wäre das Timeline-Konzept auch trotzdem (obwohl Aktualität hier schon im Vordergrund steht) noch immer eine Idee auch für Nachrichtenportale. – Oder sieht man dann, wie wenig dort, im Vergleich zu Facabook und Co, an Updates passiert?

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