Neue Lieblingskennzahlen: Die Bullshit-to-Action-Ratio


Karriereindikatoren galore und Futter für die individuelle Erfolgsplanung: Die Bullshit-to-Action-Ratio errechnet sich aus der gefühlten Höhe des Bullshitindikators, dividiert durch einen messbaren Effizienquotienten (was geht weiter, was wird fertig?) und ist umso günstiger, je niedriger sie ist.

BTAR

Frühstück im Nobelhotel, der elegante Herr im grauen Anzug am Nebentisch smalltalkt gekonnt mit seinen Begleitern, hat ein nettes Wort für jeden der ihn anspricht und redet ruhig und freundlich. So souverän, so unaufgeregt.
Management-Pow-How des grossen Konzerns, der mittelalterliche Youngster badet in der Menge, Whiz-Kid ist der Ruf der ihm vorauseilt, Küsschen verteilt er mit der gleichen Grosszügigkeit wie Termine, „Klar, reden wir, ruf in meinem Büro an.“
Werbepreise, die für Kampagnen vergeben werden, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden haben, und von Agenturbossen unter dem Motto „Von den jungen kommt ja nichts nach und die Kunden wissen Qualität nicht zu schätzen“ diskutiert werden.
Oder ganz alltäglich: Das grosse Rauschen in unseren Social Networks; auf Facebook machen alle Karriere und führen ein tolles Leben – und die die es nicht tun, haben dann wenigstens die Gelegenheit auch darüber zu reden.

Ich habe die blöde Angewohnheit, Oberflächen gegenüber fast schon allergisch skeptisch zu reagieren. Verbindliche Großzügigkeit, herausfordernde Einladungen, aufpolierte Vorzeigefronten – das ist nett, und manchmal muss man ja auch dankbar zu sein, nicht gleich immer durch einen Sumpf aus Feindseligkeiten oder Dramen zu waten.
Fraglich ist aber, was davon übrig bleibt, wenn Entscheidungen getroffen werden. Bleibt die verbindlich unverbindliche Freundlichkeit auch dann, wenn klare Festlegungen nötig sind? Besteht das Interesse an den eingeladenen Herausgeforderten auch dann noch, wenn diese die Herausforderung annehmen?
Nicht jeder kann sich immer bewegen wie er möchte und gerade Macht macht auf Grund der damit einhergehenden Verantwortung oft auch machtlos und langsam. Deshalb wäre es unfair, Handlungsfähigkeit nur nach Zahl und Tempo von Entscheidungen oder Aktivitäten zu messen.  Nachdem ich aber Handlungsfähigkeit und Entscheidungsfreudigkeit durchaus für essentiell halte, habe ich mich mit anderen Kriterien zur Messung dieser Eigenschaften angefreundet: Die Bullshit-to-Action-Ratio misst, wieviel Wind im Verhältnis zu tatsächlich umgesetzten (oder aus aus gutem Grund nicht umgesetzten) Projekten jemand machen muss. – Als Wind zählen dabei nicht nur grosse Worte, sondern ebenso oberflächen-poliertes Auftreten, Worthülsen, Angstphrasen, Unterstützungserklärungen, Wadlbeisser-Gekläffe oder „cool!“- und „Wie geil ist das denn!“-Ausrufe.

Warum ist die Bullshit-to-Action-Ratio wichtig? Die Kontaktdichte und -häufigkeit in großen Organisationen oder digitalen Medien verleitet zu hoher Kommunikationsfrequenz, schnellen Ankündigungen und Effekthascherei – egal ob beim morgendlichen „Ich beeindrucke/unterhalte/fordere euch alle“-Post auf Facebook oder beim Smalltalk auf dem Gang. Ein hoher Bullshit-Anteil dabei ist gängigen Personalentwicklungslehren zufolge eine gute Ausgangsposition für Managementkarrieren: Inspiriert, verkauft, spricht an, setzt sich durch, sind häufige Attribute. Stimmt auch – solange Ergebnisse wegrepräsentiert oder visionär in die Zukunft gebeamt werden können.
Je mehr Details, Hands-On und schnelle Reaktion gefragt sind, desto hinderlicher und leerer wird aber der Bullshit-Anteil, vor allem dann, wenn der Fall eintreten sollte, dass der Betreffende einmal gar keine Zeit mehr zum Bullshitten hat.
Die Bullshit-to-Action-Ratio dagegen errechnet sich aus der gefühlten Höhe des Bullshitindikators, dividiert durch einen messbaren Effizienquotienten (was geht weiter, was wird fertig?) und ist umso günstiger, je niedriger sie ist.
Wobei eine hohe Bullshit-to-Action-Ratio keine schlechte Eigenschaft ist: Nur würde ich deren Träger lieber bei Filmkarrieren, auf Theaterbühnen oder in Stripbars sehen – nur schauen, ganz unverbindlich… 😉
Und besonders hartnäckige können immer noch hier zuschlagen.

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