Explorative Communication

Communication is not always about agreeing. It’s not even always about understanding.
So what else do we do, besides creating noise?
Sometimes communication is about exploring: We have to use words, thoughts, to materialize ideas, to bring them into existence. But we don’t want to convince anybody, we don’t even want to explain that to someone, sometimes we don’t even want someone to listen.
We are just talking/thinking, because this is a way of creating.

Sounds stranger then I thought. I think I’ll have to get back on this.

30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 3/3 – Dissens als Leitbild von Leben, Kommunikation, Medien


DissensBeliebigkeit, Flexibilitaet sind Sichtweisen von Vielfalt. Vielfalt in der Kommunikation bedeutet, unterschiedliche Sichtweisen zu vertreten, diese mit unterschiedlichen Mitteln und Argumentarien zu erklaeren. Auch ohne zentral anerkannte Instanzen, ohne maechtige Kirchen, ohne attraktive Politiker, mit Universitaeten, die ihre Leistungsbilanz gegenueber jener von Kindergaerten rechtfertigen muessen, sind wir weiter von Chaos, Anarchie oder moralischem Verfall entfernt denn je.
Was haelt angesichts so vieler unterschiedlicher Positionen zusammen? Die Hypothese ist, es ist eben die Vielfalt, die Zurschaustellung von Diversitaet, Buntheit, sich selbst behauptender (und nicht von etwas angrenzender) Andersartigkeit, die den Zusammenhalt ermoeglicht.
Die Infragestellung gewohnter Zusammenhaenge und Begruendungen, die Zerlegung oft unhinterfragter Legitimationen dienen dazu, die reale Vielfalt aus einer neuen Perspektive betrachten zu koennen:Wir haben es nicht nur mit Variationen desselben zu tun, nicht mit Abweichungen von einem Standard – es gibt real die Moeglichkeit, anders zu sein, von Grund auf anders zu argumentieren, Dinge anders zu betrachten und zu beurteilen, und anders zu handeln – ohne das „anders“ als anders zu betrachten. Die Norm ist eine Erzaehlung unter vielen. Ihre Positionierung, egal ob ueber Ignoranz („Wir sind doch alle so“) oder Toleranz („Gut moeglich, dass du das anders siehst, aber…“) ist Anmassung, die alle anderen dazu zwingen soll, sich mit ihr auseinanderzusetzen.
Dennoch basiert in unserer aktuellen Gesellschaft viel auf diesem Prinzip: Es geht immer um Mehrheitsfaehigkeit, Konsens, um den Durchschnitt.

Konsensorientierung unter Terrorverdacht

Konsens bedeutet immer auch einen kleinen Gewaltakt. Einer muss nachgeben, es kann nicht immer um rationale Ueberzeugung gehen (in allen Konsequenzen vom Verstehen ueber das Akzeptieren bis zum Handeln ist das nahezu ausgeschlossen); in einer Zweierbeziehung bleibt einer, in einer offenen Gesellschaft bleibt sogar die Mehrheit auf der Strecke. Die Mitte ist dort, wo erst einmal keiner ist. Auf dem Weg dorthin musste ein Grossteil etwas nachgeben – manche mehr, andere weniger.
Dabei geht es nicht um reale, koerperliche Gewalt, nichteinmal um Unterdrueckung oder Meinungsfreiheit.
Es geht um den argumentativen, diskursiven Aufwand, der demjenigen zugemutet wird, der eine andere Position beschreiben, ausformulieren, vielleicht auch nur beziehen moechte. Durch das Konsensprinzip, die Annahme einer verbindenden Norm oder die Reduktion von Innovation, Devianzen auf das, was mit bestehenden, bekannten Mitteln erfasst, beschrieben werden kann, wird das Bestehende zementiert.
Konsens dient der Erhaltung des Status Quo, die Schritte zu seiner Erhaltung sind Ablenkung und Beschaeftigung, die weit mehr Freiraum nehmen, als sie zu geben vorgeben. Einmal mehr in Lyotards Worten: „Andererseits scheint auch der Konsens als Gueltigkeitskriterium ungenuegend. … Er gilt … nur als Mittel fuer das wahrhafte Ziel, welches das System legitimiert, die Macht.“

Moral tarnt sich als Zweckmaessigkeit

Konsens ist kein Legitimationskriterium fuer Wahrheit, er wird nicht auf beschreibende Aussagen angewandt, sondern auf vorschreibende. Die Frage ist nicht, ob wir alle der Meinung sind, dass das so ist, sondern ob das so sein soll. Konsens ist in moralischen Zusammenhaengen relevant – und strahlt von dieser Position aus in Politik, Wirtschaft und andere soziale Systeme.
Die attraktive Seite des Konsens liegt in seiner nivellierenden, alle miteinbeziehenden, ausgleichenden Form. Konsens scheint nah bei Gerechtigkeit zu liegen. Praktisch repraesentiert Konsens Gerechtigkeit meist etwa so weit, wie lauwarmer Kaffee eine Symbiose von heissem Espresso und Eiskaffee repraesentiert: Am Ende ist niemand gluecklich.

Ein Abruecken von Konsensorientierung muss nicht Egoismus oder Isolation bedeuten. Zur Diskussion stehen die moeglichen und relevanten Ziele von Kommunikation. Wird Konsens als Ziel vorausgesetzt, stellt das bereits Ansprueche an den Verlauif von Kommunikation; es schliesst Positionen aus, zwingt zu Relativierungen und bringt immer eine manipulative Komponente mit ein. Mindestens einer will den anderen immer wohin bringen; meist verfolgen beide bestimmte Absichten.
Einen Schritt weiter betrachtet, bedeutet Konsens als Ziel von Kommunikation auch, dass Kommunikation nicht ihr Selbstzweck ist oder explorativen Charakter hat. Konsens ist mit Handlungen verbunden; die Priorisierung von Konsens laesst darauf schliessen, dass nach Kommunikation auch etwas bestimmtes passieren soll – der Konsens (dessen Gegenstand, konkrete Auspraegung) soll befolgt werden. Diese Voraussetzung schliesst konsequenterweise eine weitere Voraussetzung mit ein: Es herrschen anerkannte Werte, die fuer alle akzeptierbar sind, und die bereits vor Beginn der konkreten Kommunikation vorgeben, in welchen Bahnen sich Konsens bewegen kann.

Konsens unterbindet Kommunikation

Konsens als Kommunikationskriterium macht in diesem Sinn Kommunikation ueberfluessig.
Der Zwang zuzustimmen und die Notwendigkeit, anderes verstummen zu lassen, lassen Lyotard gar von Terror sprechen: Terror sei nicht notwendigerweise blutige Gewalt, aber alles was darauf abziele, etwas durchzusetzen und anderes zu beenden, verstummen zu lassen, auszuloeschen – was im Fall von Kommunikation sehr schnell passieren kann. Und Terror habe, ebenso wie die Konsensorientierung, immer ein Bild von Gerechtigkeit im Hintergrund.
„Der Konsens ist ein veralteter und suspekter Wert geworden, nicht aber die Gerechtigkeit. Man muss zu einer Idee und einer Praxis der Gerechtigkeit gelangen, die nicht an jene des Konsens gebunden ist. Das Erkennen der Heteromorphie der Sprachspiele ist ein erster Schritt in diese Richtung. Es impliziert offenkundig den Verzicht auf den Terror, der ihre Isomorphie annimmt und zu realisieren trachtet. Der zweite ist das Prinzip, dass, wenn es Konsens ueber die Regeln gibt, die jedes Spiel und die darin gemachten Spielzuege definieren, so muss dieser Konsens lokal sein, das heisst von den gegenwaertigen Mitspielern erreicht und Gegenstand eventueller Ausloesung. Man orientiert sich also an Vielfalten endlicher Metaargumentationen, wir wollen sagen: Argumentationen, die Metapraesktiptionen zum Gegenstand haben und raum-zeitlich begrenzt sind.“
Alles, was wir sagen, gilt (nur) hier und jetzt; wir haben den Moment im Ueberblick und sehen, was offen daliegt. An den sichtbaren Oberflaechen sind wir sicher, alles darueber hinaus (oder darunter) ist Spekulation. Spekulation an sich ist nicht das Problem – das entsteht erst dann, wenn versucht wird, eine Spekulation ueber die andere als Norm zu erheben.

Medien als Manifestation des Dissens, Dissens als Modell unserer Werte

„Heteromorphie der Sprachspiele“ ist ein recht abstrakter philosophischer Begriff. Medienvielfalt, Medienkonzentration sind politische und oekonomische Begriffe, die aehnliches vermuten lassen, aber nicht glelichzeitig qualitative Aenderungen bedeuten muessen. Medien nicht als Produkte sondern als omnipraesente Werkzeuge, die in all ihrer Redundanz, fragwuerdigen Qualitaet und Trial&Error-Mentalitaet endloses Rauschen, Gespraeche oder andere Geraeuscharten erzeugen, sind ein Sinnbild von Heteromorphie und Polyphonie.
Sie mit normativen Qualitaetsargumenten regulieren zu wollen, Profijournalismus dem Buergerjournalismus gegenueber stellen zu wollen, ist Ausdruck von Terror. Sie als Repraesentanten freier Meinung, als originale urpruengliche Kommunikation, ueber den regulierten oeffentlichen Diskurs stellen zu wollen, ebenso.
Dissens als nicht entschiedener und konkreter Widerspruch, sondern als ueber den Gegensatz hinausgehende Vielfalt, als Summe von Abweichungen ohne Mitte, von der man abweichen koennte, ist ein angemessenes Leitbild zur Beschreibung aktueller Moralvorstellungen und Wertesituationen. – Aus welcher Position laesst sich so etwas feststellen? Wie laesst sich Dissens als Situation beschreiben?

  • Ganz koennen wir die gewohnte Position, die regelnd und vorschreibend argumentiert, nicht verlassen. Wir brauchen Werte, wir erzeugen sie, indem wir argumentieren. „Gute“ Kommunikation thematisiert diese normative Dimension, setzt Grenzen und Bezuege, macht klar, wer warum worueber spricht. Diese Regeln koennen von einem PR-Berater oder von einem Beziehungstherapeuten gleichermassen stammen.
  • Manchmal verlaesst sie auch die Zielorientierung, es geht nicht nur darum, Ergebnisse, Ueberzeugung zu erreichen, sondern einfach einmal darum, einen Gedanken, eine Perspektive durchzudenken, auszuformulieren. Eventuelle Ergebnisse, Konsequenzen gibt es vielleicht spaeter.
  • Dissens als Leitbild bedeutet, in der Auseinandersetzung eigene Werte und Annahmen zu hinterfragen, sie nicht die Position des Gegenueber unhinterfragt ueberlagern zu lassen. Das ist in der Behauptung eigener Argumente wichtig, wichtiger aber oft im Versuch, Argumente des anderen zu verstehen: Er muss nicht aus meiner Perspektive argumentieren; ich sollte wissen, was er jetzt gerade sagt, in welchen Zusammenhang er das stellt, welche Werte er hier miteinbezieht – ohne dabei zu viel Spekulation zu veranstalten. Verlaesslich moeglich ist nur der erste Punkt…
  • Das erfordert eine Fuelle an Kommunikation – als direkte Realtime-Auseinandersetzung, als Ausformulierung von Standpunkten, als Ideensammlung, als Argumentarium. Nicht alles davon muss den gleichen Zweck erfuellen – im Gegenteil: Abgesehen von der (zielorientierten) Realtime-Kommunikation erfuellt das meiste wohl gar keinen Zweck. Oder, aus einer anderen Perspektive betrachtet: Mehr als einen Zweck; die Beschraenkung durch enge Vorgaben entfaellt zugunsten von Offenheit.

30 Jahre Dissens und Infragestellung

Vielleicht war es nicht die Idee einer unendlich polyphonen und im buchstaeblichen Sinn privatisierten Medienlandschaft, die Lyotard vor dreissig Jahren im Sinn hatte. Vielleicht war es ein klaren Regeln folgender akademischer Diskurs, der rein analytische Ziele verfolgte: Moeglichkeiten aufzeigen, aber nichts entscheiden. Vielleicht auch die insgeheime Aufforderung, neue Regeln zu entwickeln, die diesen Anforderungen gerecht werden, die ihre Grundlagen instrumentalisieren koennen und Loesungsansaetze entwickeln, wie wir auch trotzdem Ziele erreichen.

Die Situation, vor die uns neue Online-Medien stellen, ist eine Mischung aus diesen Punkten. Wir haben nichts zu entscheiden,wir werden nicht gefragt – einerseits. Andererseits fragt sich die ganze Welt, was wir in dieser Situation, mit diesen Medien machen sollen, wie wir sie fuer PR-, Marketing- oder Bildungszwecke nutzen koennen. Und die Antwort ist oft: Einfach tun, einfach ausprobieren. Allein das macht Konsens unmoeglich…

Die Faehigkeit, mit Dissens umzugehen, ist etwas, das wir trainieren muessen. Positionen wahrnehmen, analysieren, respektieren, ohne jedesmal Partei zu ergreifen, ist ein grundsaetzlich gesicherter Weg, Respekt zu erlernen, respektvollen Umgang mit ungewohnten Positionen zu ueben. Sich an den Gedanken von Dissens als tolerierbarem Zustand zu gewoehnen bedeutet – oder trainiert – darueberhinaus auch die Faehigkeit, unterschiedliche Positionen ueberhaupt wahrzunehmen.
Der Umgang mit Social Media unterstuetzt uns dabei. Wir lernen mit einer Fuelle von Information umzugehen, sie in ihren Zusammenhaengen und Abhaengigkeiten einzuschaetzen, professionelle, kommerzielle und marketingorientierte Kommunikation von verstaendigungsorientierter und diese von explorativer Kommunikation zu unterscheiden. Wir gehen damit um, dass wir keine besonderen Autoritaeten haben, dass Medien, Themen, Meinungen in Hinblick auf potentielle Reichweite, Einfluss, Qualitaet und Originalitaet gleichberechtigt nebeneinander stehen.
Der Umgang mit Social Media unterstuetzt diese Wahrnehmung und trainiert diese Faehigkeit.
Social Media, neue Online-Medien erzeugen darueberhinaus natuerlich auch Dissens. Das ist eine ihrer mittlerweile unhinterfragten Hauptaufgaben. Ob das ein unerwuenschter Stoereffekt ist oder der angemessene Weg, mit aktuellen Gegebenheiten umzugehen, ein Weg zur Repraesentation und Diskussion der Wirklichkeit, ist in Beziehung zu Sprachspielen, Legitimationsdiskursen und schliesslich auch moralischen Einstellungen zu sehen.
Akzeptieren wir die Modelle, die Diversitaet darstellen, oder wuenschen wir uns jene, die Normen positionieren und durchsetzen, zurureck?
Auch diese Frage wird bald nur noch unter historischen Bedingungen, als Gedankenspiel gestellt werden koennen. Das ist die dritte Wirkungsweise von neuen Online-Medien in Hinblick auf Dissens: Sie unterstuetzen und erzeugen Dissens, sie trainieren unsere Faehigkeiten im Umgang mit Dissens, und sie setzen das begrifflich-abstrakte Konzept von Dissens in Realitaet um. Sie erzeugen und veraendern Realitaet, sie bieten angreifbare Manifestationen eines philosophischen Konzepts. Im doppelten Sinn: Als Produkt von Vielfalt einerseits, als Beispiel fuer die Macht des Sprechens, die reale Produktivitaet von Kommunikation andererseits.

Eine Theorie der Social Media als zeitgenoessische Kommunikationstheorie, die ueber die Frage des pragmatischen Marketingeinsatzes hinausgeht, muss die Bedingungen und Moeglichkeiten von Verstaendigung einer diversifizierten Welt mit vielfaeltigen Werten thematisieren. Lyotards in der Mediendiskussion kaum noch praesente Ansaetze, die Welle an folgenden Post-ismen (Postexistentialismus, Poststrukturalismus, Dekonstruktion,…), die fortschreitende Laehmung durch die Entfernung urspreungliche verbindender, Diskussionen als selbstverstaendlich beendender Normen und Wertvorstellungen, stehen der Tatsache gegenueber, dass trotz allem immer noch irgendetwas funktioniert, trotz allem taeglich Verstaendigung und Ueberzeugung stattfinden.
Das kann bedeuten, das die Theorie des Dissens und der nicht selbstverstaendlichen, selbst immer auch erklaerungsbeduerftigen Legitimierungen nicht stimmt.
Es kann auch als Hinweis gesehen werden, dass Dissens eine produktive Kraft ist: Wir muessen erst feststellen, dass wir einander nicht verstehen, bevor wir darueber reden koennen, ob wir einander verstehen wollen. Der erste Punkt ist dabei die ausdruecklichere Bezeugung von Respekt und Aufrichtigkeit.

Postmoderne revisited in drei Teilen

30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 1/3
30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 2/3 – Performatives Sprechen: Ich sage das, also ist es so
30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 3/3 – Dissens als Leitbild von Leben, Kommunikation, Medien

30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 2/3 – Performatives Sprechen: Ich sage das, also ist es so


PerformativitaetWoher kommt die legimitierende Kraft des blossen Sprechens; welche Regeln muessen erfuellt sein, damit Abweichungen, Veraenderungen akzeptierbar und realistisch sind? Geht es gar ohne Regeln?
Um Sprechen in einer nicht den aktuellen Regeln unterworfenen Urform zu beobachten, widmeten sich Lyotards strukturalistische Ahnen (Levi-Strauss, Mauss,…) den narrativen, nicht-diskursiven, nicht-wissenschaftlichen oralen Kommunikationstraditionen indigener Voelker.
Die Erzaehlweisen brasilianischer Ureinwohner oder der beobachteten Suedsee-Voelker galten als Beispiele anderer, nicht unseren Grundsaetzen unterworfener Legitimationen. Daneben hatten Erzaehlungen – als einzige Form der Ueberlieferung – einen anderen Stellenwert, als wir ihn jetzt mit diesem Wort verbinden. Erzaehlungen unterhielten nicht, sie waren auch nicht nur die Ueberlieferung von Information – Erzaehlungen waren Mittel zur Autorisierung. Wem erzaehlt wurde, der hatte Wissen und damit Macht. Er war in der Lage, selbst etwas zu erzaehlen und das Wissen, wenn er wollte, weiterzugeben. Durch die Erzaehlung wurde er vom Narrataer (ein Kunstwort, das denjenigen bezeichnet, dem etwas erzaehlt wird) selbst zum Narrator. Der Gegenstand selbst spielt dabei weniger eine Rolle; wichtiger ist, wer wem etwas erzaehlt oder etwas verschwiegen hat. Wer darf teilhaben, wer muss draussen bleiben. Sprache bildet Netzwerke; etwas zu erfahren und dadurch einem bestimmten Personenkreis anzugehoeren, kann Leben veraendern. – Wer ist wessen Freund, wessen Posts werden kommentiert, wer wird ignoriert?
Erinnern wir uns: Urspruenglich beschrieb dieser Absatz nicht Facebook…

Social Media als Analogien zu oralen Traditionen

Die ungezwungene Kommunikation, das Entstehen von Macht und Potential allein durch Kommunikation, die Verschiebung sozialer Grenzen durch jedem moegliches performatives Sprechen gehoeren zu den wesentlichen Grundzuegen neuer Online-Medien. Weitere Gemeinsamkeit: Form, in diesem Fall nicht als Frage von Stil oder Formeln, sondern in Form von Tempo, Reichweite, Linkpopularitaet, ueberwiegt den Inhalt.
„Unter den Bedingungen einer Initiation in einer vollkommen festgelegten Form und in einer von den ihr auferlegten lexikalischen und syntaktischen Unregelmaessigkeiten verdunkelnden Sprache ueberliefert, werden sie in endlosen Sprechgesaengen vorgetragen“, schreibt Lyotard ueber die Erzaehlungen einer der beobachteten brasilianischen Communities. Fuer Einsteiger mag das auch wie eine auf den ersten Blick brauchbare Beschreibung von Twitter wirken – der Fluss an Meldungen ist endlos, dank der Verkuerzung selten syntaktisch korrekt, aber in klare aeussere Formvorgaben gepresst.

Effektivitaet und Allgegenwart machen gleichermassen wichtig

Medial unbeeinflusste Urformen von Kommunikation und hypermedial unterstuetzte, von Zitaten getragene und von konkreten Personen und Bezuegen losgeloeste Kommunikation treffen einander in einigen Punkten wieder. Der groesste Unterschied – die potentielle Reichweite – sorgt zugleich fuer die groessten Gemeinsamkeiten: Die Reichweite verleiht Kommunikation das Potential, Versprechen zu erfuellen. War es urspruenglich die Exklusivitaet, die an Rollen gebundene Stellung des Sprechers, die Situation der Kommunikation an sich, die den initiierenden, performativen Charakter bedingte, so sind es jetzt Allgegenwart und Reichweite: Jeder sieht es (vielleicht), jeder kann daraus machen, was er moechte – weil fast jeder alles kann, wird umso bedeutender, welche der vielen verfuegbaren Moeglichkeiten tatsaechlich gewaehlt wird, welche Beziehung ausgebaut wird, welche ignoriert wird.

Diese Verschiebung von momentaner Kommunikation ueber delegierte, in Prozesse, Regeln und Hierarchien verlagerte Kommunikation (zurueck) zu direkter, jedem Chancen einraeumender Kommunikation, die allen den gleichen Zugang zu Werkzeugen, nicht aber zu Inhalten bietet (hier sind wir von Angleichung und Chancengleichheit weit entfernt), ist eine ziemlich salopp ueber Jahrtausende dahingeworfene Analogie.
Darin, in genau dieser scheinbaren Unueberbrueckbarkeit, liegt ihr Reiz.
„Wie es letztlich eine Kultur, die der narrativen Form den Vorrang einraeumt, nicht noetig hat, sich ihrer Vergangenheit zu erinnern, so bedarf sie auch ohne Zweifel keiner besonderen Prozeduren, ihre Erzaehlungen zu autorisieren„, heisst es in Lyotards Text weiter ueber historische orale Formen der Kommunikation. Es gilt, weil es so ist, weil ich es gesagt habe – weil ich meine Ansicht vertreten kann und moechte. Das bedeutet demokratische Rechte ebenso wie die potentielle Vernachlaessigung inhaltlicher Qualitaet.

Wir machen eben immer mehr, reden schneller und verbreiten uns weiter.
Erfolg und Qualitaet haengen weniger von gewohnten Kriterien wie Richtigkeit oder Originalitaet ab, es gelten andere Kriterien, die teilweise schon systemimmanent sind – so ausgewachsen ist unsere neue Medienlandschaft schon…

Entwicklung von machtorientierten Qualitaetskriterien

Die Feststellung, dass wir uns weniger um unsere Vergangenheit und um das Zustandekommen oder die Begruendung unserer Aussagen kuemmern (sondern eher um deren Verbreitung) trifft auf Social Media insbesondere zu. Respekt und Autoritaet sind oft eine Frage der Reichweite, Relevanz wird ebenfalls an erfolgsorientierten Massstaeben gemessen (wie oft wird zitiert oder verlinkt – welchen Rang hat der Absender in Google, Technorati oder Alexa), wieviele Freunde, Follower hat ein Absender (Facebook, Twitter, Google Reader – wer hat noch nicht die Zahl seiner Abonnenten mit denen seiner Mitbewerber verglichen), oder, um die Perspektive zu wechseln: Autoritaet kann auch eine Frage der Bedrohlichkeit sein: Wieviele User lesen diesen Blogger, muss ich (als Unternehmen) den Absender in meinen PR-Beobachtungskreis aufnehmen? Diese Frage ist unabhaengig von der Qualitaet der Inhalte zu sehen; sie wird allein anhand der Reichweite und des potentiellen Einflusses entschieden.

Die Legitimation hat sich verschoben. Gueltigkeit leiten wir nicht von innen ab, Relevanz ist keine Frage der Qualitaet, es gilt etwas anderes. Ist das ein anderes Spiel, oder ist es nur das alte Spiel, in dem neue Spielzuege ausprobiert werden?
Paradigmenwechsel, echte Verschiebungen brauchen ein neues Spiel; sie koennen sich nicht mit neuen Spielzuegen zufrieden geben. 2.0, Social Media, Mitmach-Web – das sind Umschreibungen fuer Aenderungen, die etwas Grosses bezeichnen sollen. Was genau? Was in der Beschreibung von Blogs, Kommentaren, Wikis, Ratings unterscheidet sich wirklich von dem, was Brecht anlaesslich der Verbreitung des Radios schrieb? Wo ist wirklich der grosse Unterschied verglichen mit dem Absenden eines Leserbriefs?

Macht fuer alle und neue Legitimationsdiskurse

Je groesser die verwendeten Worte und die damit geweckten Erwartungen sind, desto mehr Widerspruch oder Skeptizismus weckt das. Im Bereich der Medientheorie bleibt das theoretisch, ein paralleler Diskurs, der nicht unbedingt stoert. In der praktischen Anwendung koennen schon kleine Zwischenfragen grosse Konzepte zum Kippen bringen: Wer Enterprise 2.0 einfuehren moechte (oder, bescheidener formuliert, dieser Vision verfolgt), tut gut daran, das Wort nicht in den Mund zu nehmen. Die grosse Abstraktion, die Wissenschaftler reich und beruehmt macht, ist in der bescheidenen Praxis der grosse Stolperstein. Die Einfuehrung von Kommentarfunktionen, Bewertungen, vielleicht sogar Blogs und Wikis in der Unternehmenskommunikation argumentiert sich weit besser anhand praktischer Beispiele, auch wenn das oft zu klein wirkt; bescheidene Bezeichnungen sind allemal besser als grosse Erwartungen. Enterprise 2.0, das neue Spiel, muss das sein, was unten rauskommt, nicht das, was am Anfang steht.
Das neue Spiel darf nicht das Verkaufsargument sein – es ist das beilaeufig herbeigefuehrte Ergebnis. Ansonsten verlaeuft die Diskussion nicht entlang der Inhalte, sondern entlang der Prinzipien.
Das gilt nicht nur fuer neue Medien; damit zurueck zu Lyotard: „… Die Erbringung der Beweise … ist im Prinzip ein Teil der Argumentation, dazu bestimmt, eine neue Aussage annehmbar zu machen, wie die Zeugenschaft oder das Beweisstueck im Fall der gerichtlichen Rhetorik. Sie wirft aber ein besonderes Problem auf: Durch sie wird der Referent (die „Realitaet“) in der Auseinandersetzung zwischen den Wissenschaftlern aufgerufen und vorgeladen.“ – Es bleibt uns nicht erspart, das Spiel selbst zu argumentieren. wir duerfen es aber nicht um seiner selbst willen tun, die Argumentation muss sich anhand realer Inhalte,beobachtbarer Effekte ergeben. Ist diese Trennung moeglich?
Die angesprochene Trennung ist zugleich eine Verschmelzung. Im Bereich der Medien, der Kommunikation kann die Trennung von Gegenstand, Diskurs und Metadiskurs immer nur theoretisch sein – wenn eben der Diskurs der Gegenstand ist. Fuer die Kriterien der Wahrheit und Richtigkeit bedeutet das die Verpflichtung, neue Quellen der Legitimation zu suchen. Nicht die wissenschaftliche Konsistenz und Herleitbarkeit stehen im Vordergrund, sondern die Brauchbarkeit. Die Frage ist nicht, wie sich das Projekt mit der kanonischen Literatur, den Lehrplaenen, den Unternehmensgrundsaetzen und der Branchentradition vertraegt, sondern schlicht, ob es etwas bringt. Funktioniert es, ist es brauchbar, zeichnen sich positive Effekte ab?

Primat der Effizienz

Die Herleitung dieser Effekte aus Ursachen (gehen sie wirklich auf die vermuteten Massnahmen zurueck?) eroeffnen Felder fuer spannende und kritische Paralleldiskurse; im Vordergrund steht aber ganz klar ein neuer Herrscher ueber richtig und falsch, gut und boese oder – pragmatischer formuliert – angemessen und unangemessen: Es ist die Effizienz.
Effizienz ergibt sich insbesondere dort, wo Handlung und Wirkung in moeglichst engem Zusammenhang stehen, am besten direkt aufeinander folgen, durcheinander bedingt sind. Dort, wo Dinge passieren, weil sie gesagt werden, wo die Behauptung der Handlung geichkommt. Das ist der Aspekt der Performativitaet.
Lyotard: „Aber es it wahr, dass die Performativitaet, indem sie die Faehigkeit der Beweisbringung ausweitet, diejenige ausweitet, recht zu haben: Das massiv in das wissenschaftliche Wissen eingefuehrte technische Kriterium bleibt nicht ohne Einfluss auf das Kriterium der Wahrheit.“ – Wir beweisen unsere Behauptungen, indem wir sie gleich umsetzen, Trial & Error als Mittel der Beweisfuehrung ist in ausgepraegtem Masse von der Hartnaeckigkeit der Trials abhaengig; die Menge jener, die unsere Behauptungen unterstuetzen (oder mit uns ausprobieren) traegt ebenfalls in grossem Stil dazu bei, ihre Chance auf Umsetzung und Wahrheit zu erhoehen.

Permanente Behauptungen in Social Media als Motor der Performativitaet

Und was ist besser geeignet, diese Aspekte von Performativitaet zu unterstuetzen, als allgegenwaertige Onlinemedien, Social Media als vernetzende, ihre Reichweite laufend multiplizierende Kanaele, als Medien, in denen Tempo, Reichweite und Autoritaet – wie vorhin beschrieben – Qualitaetskriterien abloesen?
Indem wir etwas behaupten, behaupten wir dessen Wahrheit; indem wir vielen anderen die Moeglichkeit geben, das mit uns zu behaupten, vervielfachen wir nicht nur den potentiellen Wahrheitrsgehalt – wir reduzieren vor allem auch die Zahl jener, die diesen Punkt beeinspruchen oder Gegengebeweise antreten koennten. – Oder, abhaengig von der Geschicklichkeit unserer Formulierung, gerade wieder vor dem Hintergrund medientheoeretischer Diskussionen: Wir koennen auch die Einwaende in positive Bestaetigungen unsere Thesen ummuenzen. Denn vielleicht gab es kein Ergebnis, aber zumindest die Diskussion war lebhaft.
ROI-Berechnungen, Erfolgs- und Qualitaetsfaktoren in Medien- und Medieneinfuehrungsprojekten sind oft solchermassen selbsterfuellend. Erfolg ist dann gegeben, wenn es gelingt, die Erfolgsfaktoren (Nutzerzahlen, Beitragsfrequenz, organisatorische Verankerung bei internen Projekit etc.) herbeizufuehren. Wenn diese immanenten Kriterien erfuellt sind, ergeben sich in aller Regel dann auch die externen Erfolgsfaktoren: Geld, Ansehen, Macht, Reichweite in Verdraengungswettbewerb.
Das gilt bei Online-Projekten, die in oft ueberschaubarer Groesse mit ueberschaubaren Reichweiten operieren (damit sind keine ins astronomische uebertriebenen Unique Clients-Zahlen gemeint, sondern User (Leser, Mitarbeiter, Kunden, Abonnenten etc.), die das Medium tatsaechlich nuetzen und es auch weiterbringen koennen. Offensichtlich – und das ist weit erstaunlicher – funktioniert dieses Prinzip aber auch im klassischen Medienbereich: Wie sonst waere es zu erklaeren dass sich immer wieder und immer noch Anzeigenkunden hinreissen lassen, in den schwachsinnigsten Magazinen, den direkt fuer den Alpapiercontainer praedestinierten schlecht gemachten Themenbeilagen, den Blaettern, mit denen niemand gesehen werden will, grosse Summen ausgeben. Medien behaupten, erfolgreich zu sein (vielleicht gemeinsam mit ihren Kunden). Kunden geben zur Unterstuetzung dieser Behauptung Geld aus. Erfolgskontrolle, direkte Ursachenforschung und auf qualitative, kausale Kriterien abzielendes Tracking dieser Kampagnen gibt es nicht. Also muss die der Kunde der Behauptung, erfolgreich zu sein, anschliessen, und diese – nunmehr seine – Einschaetzung mit weiteren Ausgaben untermauern. Das Medium ist mittlerweile tatsaechlich erfolgreich, in direkten finanziellen Dimensionen gemessen.
Im Rollout interner Projekte laesst sich aehnliches beobachten. Ein vom Senior Management unterstuetztes Projekt wird gestartet; die Erwartungen sind gering, es geht mehr um Prestige und Innovation denn um kommerzielle Ergebnisse. Der Tag der Erfolgsmessung naht – ist das Projekt erfolgreich? Gemaess der bescheidenen Erwartungen natuerlich; alle kleinen Ziele konnten erreicht werden. Der auftraggebende Senior kann ein – sein – Projekt als erfolgreich promoten; dadurch bekommt die urspruenglich bescheidene Erfolgsdimension ploetzlich ganz anderes Gewicht. Das Projekt wird auf diesem Weg tatsaechlich erfolgreich – zumindest wenn es darum geht, weitere Mittel fuer den zukuenftigen Ausbau zu organisieren…

Viele Wirkungen, viele Wahrheiten

Das sind Beispiele fuer vielfaeltige Verschiebungen in legitimierenden Quellen; der Sprung von der „Wahrheit“ zur Effizienz bedeutet auch die Vervielfachung der moeglichen unterschiedlichen Arten von Legitimierung durch Effizienz. „Es funktioniert“, „Es zahlt sich aus“, „Es wirkt“ kann in vielerlei Hinsicht gelten (das war zwar bei der Wahrheit nicht anders, die wenigen „wahren“ „Wahrheiten“ hatten/haben allerdings kulturspezifisch maechtigere Lobbies).
Effizienz als massgebliches Kriterium bedeutet den Verlust von Autoritaet fuer die bisherigen Interpreten und Dolmetscher der Wahrheit: Lehrer, Forscher, Fuehrer, die bisher entscheidend gepraegt haben, was wichtig ist und was davon wie zu verstehen ist, haben ihren Vorsprung verloren. Ihre Interpretation hat keinen Vorrang mehr vor anderen – denn dieser Vorrang laesst sich durch nichts begruenden: Mehr Information als sie eine Autoritaet je gelesen haben koennte, liegt fuer alle offen verfuegbar. Zusammenhaenge, weiter Meinungen, Kommentare koennen schneller hergestellt und eingeholt werden, als sie verarbeitet werden koennen. Und denjenigen zu kritisieren oder zu analysieren, der zur Zeit am lautesten ruft, er habe die Loesung, kostet einfach zu viel Zeit – und es bestaerkt dessen Position gerade durch die Kritik (als wichtig und damit ueber kurz oder lang, nach unseren aktuellen Kriterien, als richtig).
„Was aber sicher scheint, ist dass in beiden Faellen die Delegitimierung und der Vorrang der Performativitaet der Aera des Professors die Grabesglocken laeuten: Er ist nicht kompetenter zur Uebermittlung des etablierten Wissens als die Netze der Speicher, und er ist nicht kompetenter zur Erfindung neuer Spielzuege, oder neuer Spiele als die interdisziplinaeren Forschungsteams.“, schreibt Lyotard aus einer auf die Universitaeten ausgerichteten Perspektive.

Geben flexible Legitimierungsmoeglichkeiten und dem Diskurs immanente Beweisfuehrungen also alles der Beliebigkeit preis? Redet der postmoderne Diskurs der Belanglosigkeit das Wort – und gilt das auch und um so mehr fuer Social Media, die durch einige aufgezeigte Analogien hier mit in die Bredouille gezogen wurden?

Postmoderne revisited in drei Teilen

30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 1/3
30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 2/3 – Performatives Sprechen: Ich sage das, also ist es so
30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 3/3 – Dissens als Leitbild von Leben, Kommunikation, Medien

30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 1/3


30 Jahre Postmoderne„Der Konsens ist ein veralteter und suspekter Wert geworden, nicht aber die Gerechtigkeit. Man muss zu einer Idee und einer Praxis der Gerechtigkeit gelangen, die nicht an jene des Konsens gebunden ist.” – „Das postmoderne Wissen“ von Jean-Francois Lyotard erschien 1979 zum ersten Mal in Buchform.
Lyotard spielt in dem skizzenhaften Text nicht nur mit dem damals schon aus der Architektur bekannten Begriff der Postmoderne, er fuehrt die „informatisierte Gesellschaft“ als weiteren Begriff ein und stellt vor allem die Fragen nach den Bedingungen von Information und Wissen neu: Wie kann es sein, dass in einer vielfaeltigen, zersplitterten Realitaet Allgemeingueltigkeit angestrebt wird, welche Voraussetzungen sind erfuellt, dass tatsaechlich und immer wieder Meinungen, Behauptungen und Einstellungen als wahr, nicht zu hinterfragen und fundamental gelten – wie es taeglich immer wieder der Fall ist?

Vom Beweis zur Rechtfertigung


Die Wirkkraefte dahinter, fuehrt Lyotard aus, sind Legitimationsdiskurse. Es sind keine Beweisketten, keine besonderen, ueberlegenen Arten von Vernunft, kein Erkenntnisvorsprung, keine semantischen oder linguistischen Qualitaeten, die ein besonderes Naheverhaeltnis zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem herstellen – es ist ein ganzes Werk von Zusammenhaengen und Abhaengigkeiten, die alle erfuellt sein muessen und die alle anerkannt sein muessen, damit eine auf diesen beruhende Aussage oder Behauptung als wahr erkannt werden kann.

Die bekraeftigende Legitimation adelt Meinungen mit dem Kriterium der Relevanz: Wer darf etwas sagen, wer hat die Macht, seine Meinung aus anerkannten Zusammenhaengen herzuleiten? Dabei spielen unterschiedliche Dimensionen tragende Rollen: Einerseits ist das Kriterium der Verteilung massgeblich – Wer wird dafuer bezahlt, Wissen herzustellen, Behauptungen zu legitimieren, fuer die Einhaltung von Werten zu sorgen? Auf der anderen Seite steht das Vertrauen: Wem hoeren wir trotzdem zu, wem folgen wir, egal wer er ist – sei es in Form einer Bewegung oder via Twitter?

In diesem Bereich haben neue Online Medien die gewichtigste Verschiebung mit sich gebracht: Gefolgschaft, Vertrauen, Offenheit sind keine an charismatische oder spirituelle Qualitaeten gebundenen Effekte mehr – sie stehen einer groesseren Zahl an Sendern offen und sind mehr auf Inhalte ausgerichtet als auf Kontexterscheinungen. Blog, Twitteraccount oder Facebook-Status schaffen fuer alle die gleiche Startposition; die Idee eines charismatischen Blogs waere neu – und stuende zugleich auch im Verdacht, ueberteuerter sinnleerer Designerkram zu sein.

Information: Von der Auszeichnung durch Knappheit zur Auszeichnung durch Vielfalt

Die Vervielfachung potentieller wichtiger Sender ist ein kulturelles Phaenomen; die endlose und alle Anforderungen uebertreffende allgegenwaertige Verfuegbarkeit unterschiedlichster und detaillierter Informationen wirkt sich auch in realen Businessmodellen aus. Der Verkauf von Information ist heute fragwuerdiger denn je; wer aus seiner Produktion ein Geheimnis macht, kann dieses wahrscheinlich auch gern fuer sich behalten (Absolutes High-Ticket-Business, in dem Diskretion ueber Millionen entscheidet, weil es ingesamt um Milliarden geht, wird hier immer wieder ausgenommen sein).
Autoritaet, Glaubwuerdigkeit, die Entscheidung, hier und nicht dort zu kaufen, beruhen immer weniger auf der schlichten Verfuegbarkeit von Produkten und Informationen – es gibt alles immer und ueberall -, wichtigere Kriterien sind vielmehr Qualitaet, Vertrauen und positive Praesenz: Potentieller Lieferant ist, wer alles ueber sich preisgibt, Informationen veroeffentlicht, in laufenden fachlichen Auseinandersetzungen praesent ist und glaubhaft darstellen kann, dass seine Produkte und Leistungen auf konkrete Anforderungen him umgesetzt werden koennen. – Schliesslich geht es fast nie mehr um Kaufentscheidungen, sondern immer um Dienstleistungen und Massanfertigungen. Verkauft wird dabei nicht Knowhow (dessen Vorliegen ist Voraussetzung fuer das Zustandekommen einer positiven Entscheidung) sondern Umsetzungsqualitaet und -genauigkeit. „Wir sind die Besten“ ist dabei eher eine abschreckende als eine werbliche Botschaft; attraktiv sind Kooperation, Integration und Adaptierung.
Businessmodelle aendern sich langsam; die Grundzuege bleiben noch lange die gleichen. Vertrauensvolle, kundenorientierte Umsetzung kann der am deutlichsten versprechen, der die meisten Verkaeufer im Feld hat (auch wenn diese nichts mit der Umsetzung zu tun haben), Praesenz, der Anschein fachlicher Themenfuehrerschaft lassen sich auch ueber Werbung und Sponsoring erkaufen.
Oder, wie Lyotard es ausdrueckt: Diese Verschiebung „verhindert nicht, dass in den Geldstroemen die einen dazu dienen, zu entscheiden, wogegen die anderen nur gut sind zum Bezahlen.“

Regeln als Machtinstrument

Zeit also fuer eine radikalere Neuorientierung.
Beim Versuch, Innovationen zu beschreiben oder vorzustellen, werden wir immer wieder von aehnlichen Effekten eingeholt – seien es Einwaende von Zweiflern oder vorsichtiger Skeptizismus von Unterstuetzern: Was ist daran jetzt neu, was ist anders? Ist das nicht immer schon so? Ist dieser kleine neue Aspekt wirklich so wichtig, dass Abweichungen von dem bestehenden schon so lange funktionierenden Schema gerechtfertigt werden koennen?
Dieses Problem ist nicht eines der konkreten Innovation, es liegt in der Art und Weise, wie wir argumentieren und beschreiben, begruendet. Der Versuch, etwas zu beschreiben, bedeutet immer, Neues auf Bekanntes zu reduzieren. Egal wieviel wir reden – innerhalb der akzeptierten Grenzen koennen wir nur beschreiben, was wir kennen. Womit soll der Unterschied erfasst werden?
Hier setzt Lyotard an.
Legitimation als Bekraeftigung und Rechtfertigung einer Position setzt die Einhaltung von Regeln voraus. Diese koennen sozial, juristisch, politisch motiviert sein; wir haben einen gewissen Spielraum (auch innerhalb einer Gesellschaft) welches Set an Regeln wir befolgen moechten. Hinter diesen konstruierten, verabschiedeten und oft mit Sanktionen belegten Regeln liegt noch ein weiteres Set an Regeln: Die Erstellung, Beschreibung und Einhaltung von Regeln ist nur dann moeglich, wenn zuerst auch Sprachregeln eingehalten werden. Was beschreiben wir, wie verstehen wir, wie erzeugen wir Zusammenhaenge? Wann beschreiben wir, wann schreiben wir etwas vor, wann fordern wir auf, wann verlangen wir, fragen wir usw.? Was bewirken die unterschiedlichen Sprachspiele dabei in dem was sie bezeichnen, beschreiben oder eben bewirken wollen?
Lyotard: „Eine wissenschaftliche Aussage ist dann und nur dann ein Wissen, wenn sie sich selbst in einen universellen Prozess der Hervorbringung einordnet. … Diese Voraussetzung ist dem universellen Sprachspiel sogar unentbehrlich. Wuerde sie nicht gemacht, waere die Sprache der Legitimierung selbst nicht legitim, und sie waere mit der Wissenschaft in die Sinnlosigkeit eingetaucht, zumindest, wenn man dem Idealismus Glauben schenkt.“ Vereinfacht: Wer sich nicht an die Regeln haelt, laeuft Gefahr, sinnloses Gebrabbel zu produzieren. Die Schattenseite dabei ist, dass die Regeln von denjenigen diktiert werden, die oft nicht das dringendste Interesse an deren Aenderungen haben – und dass die Regeln so konstruiert sind, dass ihre Aenderung sie nicht in Frage stellt, sondern ein neues Feld eroeffnet: Wenn es nicht Wissenschaft ist, wird es Esoterik, wenn es nicht Philosophie ist, ist es Spekulation oder Religion.

Sprechen ist Kaempfen

Was nuetzen also alle neuen Medien, erweiterten Sprachmoeglichkeiten, verbesserten Reichweiten, wenn sie nicht am Kern der Macht kratzen koennen?
„Sprechen ist Kaempfen“, schreibt Lyotard an anderer Stelle. Das gilt nicht nur fuer Rede- und Pressefreiheit, sondern auch fuer sublimere Formen der Selbstbehauptung und Identitaetsgestaltung. Indem wir reden, schaffen wir; indem wir behaupten und erzaehlen, schaffen wir Realitaet. Diese ist nicht bloss virtuell (wenn wir unsere Facebook-, MySpace- oder Second Life-Profile als Avatare betrachten), sondern „wirklich“ „real“ (was eine sehr lustige Konstruktion ist): Indem wir behaupten (und unsere kurzen Meldungen oder geposteten Fotos koennen wir kontrollieren; wenn wir das nicht koennen – um so realer), schaffen wir Bilder, die andere von uns haben. Diese Bilder praegen wieder den sei es digitalen, sei es analogen Umgang. Diese Gleichzeitigkeit von totaler Kontrolle (wir bestimmen, was wir sagen und preisgeben) und absoluter Wehrlosigkeit (wir haben keinen Einfluss darauf, wie andere diese Information wahrnehmen und verarbeiten) macht deutlich, dass die performative Freiheit wiederum eine neue Auspraegung von Machtspielen ist: Die klassischen Beispiele fuer performative Sprechakte (etwas eroeffnen, jemanden verurteilen/freisprechen usw.) sind eng an Rollen, Regeln und Zusammenhaenge gebunden. – Eine Verschiebung hat sich in all dieser strengen Regulierung aber ganz unauffaellig ergeben: Nicht Wahrheit steht im Vordergrund, sondern Effizienz.

Wer hat die Macht, Regeln zu definieren?

Wer kann, kann die Regeln brechen. Das ist eine Variation des Grundsatzes, dass derjenige recht hat, der am lautesten spricht, die aber dennoch um einiges weiter geht.
Kommunikation, Medien sind ein Bereich, in dem Verschiebungen moeglich sind und allein ueber die Menge eine neue Dimension von Macht erreicht werden kann.
Wieviele Menschen wissen das, wieviele hoeren auf diesen Kanal, wieviele glauben daran – Unterdrueckung und Verbreitung von Information sind wichtige Steuerungsmechanismen; vor allem die Verbreitungsoption steht heute allen zur Verfuegung.
Lyotard stellte noch die Frage, ob Regierungen in der Lage sein werden, Informationen und die Kanaele grosser Konzerne zu kontrollieren und vor allem die Zugaenge zu steuern. Gemeint waren damit Telekommunikations- und Satellitennetzwerke. – In der Zwischenzeit haben schon lange Konzerne die Macht uebernommen (EU Kommissionen aus dem Medien- und Kommunikationsbereich nimmt nur der interessierte User wahr – und allenfalls als Hintergrundgeraeusch) und sie sind sogar schon dabei, sie wieder zu verlieren: Jeder einzelne hat potentiell die gleiche Reichweite und gerade fuer grosse Konzerne stellt es ein ernsthaftes Problem dar, zu erfahren, zu beobachten und zu beurteilen, was ueber sie vor allem in Online-Medien geredet wird. – Social Media illustrieren, wie hier im kleinen eine Umkehr der Machtverhaeltnisse stattfindet.

Postmoderne revisited in drei Teilen

30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 1/3
30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 2/3 – Performatives Sprechen: Ich sage das, also ist es so
30 Jahre Postmoderne? – Lyotard revisited 3/3 – Dissens als Leitbild von Leben, Kommunikation, Medien

Trust Exchange Research – Greifbarkeit schafft Vertrauen


Vertrauen in Online Mediender-karl.com befragt fuer Trust Exchange Geeks, Marketing-, PR-, Medien- und Onlineexperten zu den Grundzuegen von Vertrauen in digitalen Medien.

Die Fragen und Schwerpunkte:

  • Wem vertraust Du online: einzelnen Organisationen (z.B. der Bank, einer Zeitung)?, Techniken? Menschen, auch Usern, die bestimmte Kriterien erfuellen?
  • Was begruendet Dein Vertrauen: gemeinsame Erfahrung?

    bestimmte Merkmale und Kriterien? gemeinsame Vorgeschichte, Empfehlungen? Technik? Inhalte, Ablaeufe, Beziehungen?

  • Welchen Unterschied macht Vertrauen: was tust Du oder tust Du nicht, abhaengig davon, ob ein User/eine Organisation/ein Interaktionspartner vertrauenswuerdig ist?

Drei Fragen rund um Vertrauen in Online Medien…: Wer?

Vertrauenswuerdig sind in erster Linie Personen – oder das kleinste gemeinsame, nicht mehr weiter zerlegbare Konstrukt, das die Personenfunktion erfuellen kann.
Die Wer-Frage muss beantwortet sein – das muss nicht unbedingt mit Name und Gesicht erfuellt sein. Jeder Autor eines Online-Mediums, jeder Absender eine PR- oder Werbebotschaft und jeder Betreiber eines Shops muss greifbar sein.
Das kann im gleichen Medium, auf der gleichen Seite ablaufen, das Bild kann aber auch durch eine Recherche in anderen Quellen, durch die dort abbildbaren Zusammenhaenge, durch beobachtbare Reaktionen und Erfahrungen (wie verhaelt sich der User/Shop/das Medium; wie haben sich andere User in Interaktionen verhalten?). Das Bild kann durch Bewertungsmechanismen, nachlesbare Beitraege, Kommentare entstehen; schlicht die Zeit selbst kann auch ein maechtiges Kriterium sein: Wenn diese Person laenger und oefter (also mit deutlichen Spuren) existiert, ist die Ausgangsposition in Hinblick auf Vertrauen ungleich besser.
Greifbarkeit bedeutet, dass Verhaltensmuster erkennbar werden, die vertrauenerweckend wirken. Komplexe und detailliert nachvollziehbare Verhaltensmuster (hat Anfragen beantwortet, das Produkt genau beschrieben, die Kosten klar aufgeschluesselt und die Versandoptionen angefuehrt) wirken dabei besser als einfache (wurde positiv bewertet).

Unternehmen (Medien, Banken, aber auch Corporate Seiten aus anderen Bereichen) vertraue ich grundsaetzlich nicht – es sei denn, es gelingt auch hier, die Grundsaetze der Greifbarkeit zu erfuellen. Das ist eine klare Qualitaetsvorgabe an Unternehmen im Web: Die Marke zu repraesentieren und Kontaktmoeglichkeiten vorzusehen, ist zu wenig. Auch hier braucht es kein Gesicht, keinen Namen, aber ein klar nachvollziehbares Profil, das verstaendlich macht, warum hier jemand mit mir zu reden versucht.

Was?


Dadurch beantwortet sich zum Teil auch die zweite Frage – Was begruendet mein Vertrauen?
Onlineauftritte duerfen keine Fragen aufwerfen, die sie nicht beantworten. Sie muessen nicht alle Fragen beantworten – was unmoeglich ist -, duerfen aber auch nicht offensichtlich daneben greifen. Die oft zitierte Stimmigkeit ist ein wesentlicher Punkt. Laesst sich das konkreter beschreiben? – Ich denke, das ist kein besonderes Merkmal von Online-Kommunikation alleine. Sag nichts, was Du nicht selbst verstehst. Sag oder tu nichts, was Du sonst nicht auch tun wuerdest – nur weil Du glaubt, dass es einer „Zielgruppe“ gefallen koennte.
Technische (Verschluesselungen, Smartcards, Biometrie oder andere strenge Authentifizierungsverfahren) oder kuenstliche Merkmale (xyz-zertifiziert, Guetesiegel der Online-Friseure oder Durchschnitt der erhaltenen Bewertungen) sind mir egal. Ich empfinde sie eher als kontraproduktiv: Hinweise auf besondere Sicherheit oder hohe Vertrauenswuerdigkeit lassen mich eher hinterfragen, was hier so besonders schuetzenswert (oder gefaehrdet ist, ob ich diese Transaktion wirklich abwickeln will und warum dieser User oder diese Institution so darauf pochen, vertrauenswuerdig zu sein.
Wichtiger sind der reibungslose, ueberraschungsfreie und erwartungsgemaesse Ablauf von Interaktionen und eben die Greifbarkeit eines Partners. Greifbarkeit laesst sich auch reduzieren auf: Wenn ich etwas kaufe, soll es sich wie ein Shop anfuehlen (und Fragen zu Zahlungsbedingungen, Versand, Versandkosten muessen geklaert sein, bevor ich an der Kasse stehe), wenn ich Nachrichten lese, muss es sich ebenfalls so anfuehlen (sie brauchen ein Datum, eine Quelle, strukturierte Texte), Fachmedien egal welcher Branche muessen klar bekennen, aus welcher Ecke sie kommen und welcher Richtung sie angehoeren.
Vertrauen ist also ziemlich einfach zu erreichen – ebenso einfach ist es allerdings, entgegen diesen Grundsaetzen zu handeln.

Wozu?


Welchen Unterschied macht Vertrauen? Vertrauen entscheidet nicht nur ueber die wahrgenommene Qualitaet eines Produkts, einer Information oder einer Dienstleistung. Es ist oft auch die Grundlage, die den Austausch oder die Transaktion erst ermoeglicht. Die coolste Agenturwebseite mit tollem Design und legeren Sinnspruechen lockt mich nicht an, wenn sie nicht den Verdacht entkraeften kann, einen Ein-Personen-Betrieb aus dem Mostviertel oder ein Klassenprojekt der Akademie fuer Angewandte Kunst zu repraesentieren. Die guenstigsten Original Ray Bans sind ihren einen Euro nicht wert, wenn der Verkaeufer nicht erklaeren kann, ob der Versand aus Taiwan, Hong Kong, Singapur oder Bulgarien erfolgt.

Vertrauen hat mit Langeweile zu tun. Wo Ueberraschungen fehlen, entsteht leichter Vertrauen. Natuerlich wollen wir auch spontan sein, ueberrascht werden und erstaunt sein, wie gut uns der andere kennt, wie toll das Service dieses Unternehmens ist. – Auch das funktioniert aber nur dann, wenn das eingetretene Ereignis unsere Erwartungen bestaetigt, wenn es so ist, wie wir es gerne haetten. – Vielleicht ist es deshalb manchmal schwer, Ueberraschungen entsprechend zu begruessen: Weil wir (zumindest insgeheim) immer erwartet und darauf vertraut haben, dass das so passieren wird.

Trust Exchange – Grundsaetze von Vertrauen in Online Medien


TrustExResearchVertrauen ist die harte Waehrung der Kommunikations-Gesellschaft. Wer Vertrauen hat, hat Freunde, Aufmerksamkeit, Kunden – und den besseren Anteil vom Geschaeft.

Wem vertrauen wir? Und warum?

Warum ist Vertrauen wichtig? Welche Art von Vertrauen kann das sein, wen hier wirklich ein Unterschied entsteht?
Vertrauen wir darauf, dass schon alles gut gehen wird (fuer wen?)? Dass irgendetwas passieren wird? Dass unsere Unterhaltung etwas mit Wahrheit, mit der Realitaet dort draussen zu tun hat? Und was heisst das dann? Vertrauen wir darauf, dass wir die richtigen Werkzeuge richtig einsetzen, dass wir uns wehren koennen, dass wir uns helfen koennen? Oder darauf, dass das richtige zur richtigen Zeit passieren wird?
Vertrauen hat eine aktive und eine passive Komponente: Selbstvertrauen – ich verstehe, ich kann mich orientieren, ich kann handeln; Vertrauen in/auf andere; etwas wird passieren, mir wird nichts passieren.
Was davon ist im Zusammenhang mit Medien wichtig? Aus der Perspektive des passiven Vertrauens: Medien schaffen mein Gefuehl fuer die Welt, meine Einschaetzung ob ich Angst haben muss oder mich frei bewegen kann. Sie liefern Informaton, dabei muss die aktive Komponente ins Spiel kommen: Was mache ich mit der Information? Was macht der andere mit der Information? Was machen wir miteinander? Dadurch entstehen verschiedene Dimensionen: Vertrauen in Inhalte, in Techniken, in Prozesse, in gemeinsame Werte.

Trust Exchange beschaeftigt sich mit den Bedingungen und Auswirkungen von Vertrauen in neuen Online Medien und hinterfragt dabei vor allem regionale und kulturelle Abhaengigkeiten: Wem vertrauen wir wo; verbindet das Netz noch oder schaffen regionale Unterschiede neue digitale Trennlinien in Europa?

der-karl.com befragt fuer Trust Exchange Geeks, Marketing-, PR-, Medien- und Onlineexperten zu den Grundzuegen von Vertrauen in digitalen Medien.

  • Wem vertraust Du online: einzelnen Organisationen (z.B. der Bank, einer Zeitung)?, Techniken? Menschen, auch Usern, die bestimmte Kriterien erfuellen?
  • Was begruendet Dein Vertrauen: gemeinsame Erfahrung? bestimmte Merkmale und Kriterien? gemeinsame Vorgeschichte, Empfehlungen? Technik? Inhalte, Ablaeufe, Beziehungen?
  • Welchen Unterschied macht Vertrauen: was tust Du oder tust Du nicht, abhaengig davon, ob ein User/eine Organisation/ein Interaktionspartner vertrauenswuerdig ist?

Die Antworten, Interviews und sonstigen Ergebnisse sammeln wir im Lauf der Zeit hier.

Superinfluencer: Die neuen Experten fuer eh alles und ohne jede Ahnung

„Der hat einen Zwoelfzylinder V8-Motor oder was das ist. 300 PS muessen schon drin sein.“
„Wenn du einmal so viel Geld hast, dann glaubst du wahrscheinlich wirklich, dass du das brauchst. Die Super-Promis koennen dann gar nicht mehr zurueckstecken.“
„Die Leute am Balkan haben einfach eine andere Einstellung zu Dingen, die uns wichtig sind. Sicherheit, Zuhause und Zukunft sind dort nicht so wichtig wie ein gutes Leben im Moment.“

Drei Aussagen, wie wir sie taeglich treffen, ohne im Detail oder aus der Praxis bescheid zu wissen. Hoerensagen, Klischees, Vorurteile (ganz wertfrei…) bestimmen unsere Kommunikation. Digitale Kommunikation und Social Networks als potenziertes Hoerensagen verstaerken die Reichweite unserer eigenen Behauptungen und liefern uns gleichzeitig mehr Stoff: Wir hoeren andere mehr sagen, wir lesen laufend Nachrichten, Posts, Statusmeldungen, die in ihrer Kuerze praegnant und kompetent wirken, als wuesste jeder tatsaechlich ueber seine Themen bescheid. In der Praxis ist die schnelle, flexible, flaechendeckende Kommunikation das ideale Mittel, Unzulaenglichkeiten, Unwissen und Inkompetenz zu uebertuenchen. Zumindest so lange, bis daraus real wirksame Interaktion entsteht.

Superinfluencer

Mediale Verbindungen schaffen Distanz

Rauemliche und emotionale Distanz, Passivitaet und Ueberfluss sind Faktoren, die uns das Leben leichter machen, aber auch dazu fuehren, dass wir immer weniger wissen, wovon wir reden.
Dinge kommen auf uns zu, wir muessen sie nicht suchen, direktes persoenliches Erleben macht einen kleinen Teil unser gesamten Erfahrungen aus, und Rueckmeldungen, die uns tatsaechlich betreffen, sind selten.

  • Wir koennen problemlos ueber Autotuning reden, ohne jemals eine Motorhaube geoeffnet zu haben – und halten das fuer normal.
  • Wir fuehlen uns in Erlebnisse eines Freeclimbers ein, weil wir spektakulaere Fotos betrachten (die Momente und Perspektiven dokumentieren, die dieser vielleicht nie so wahrgenommen hat).
  • Wir sind Surfer, weil wir mal einen Kurs besucht oder im letzten Strandshop ein Bodyboard gekauft haben.

Teilweise sind diese Fakekenntnisse medial vermittelt – wir haben etwas gesehen, als waeren wir dabei gewesen – teilweise entstehen sie durch einen wachsenden Drang, reden zu muessen. Aus einem dreitaegigen Segelkurs wird in der Erzaehlung, Verbreitung, Wiederholung, Multiplikation und permanenten Dokumentation durch Medien ein Seebaerenabenteuer, aus einer kaum hoerbaren Diskussion eine gefaehrliche Auseinandersetzung und aus gelegentlichem Urlaubsvergnuegen eine intensive Leidenschaft. Sobald wir reden, uebertreiben wir – das ist unbestritten so und ist ein probates Mittel zum Zweck.
Nicht nur wir als Personen erzaehlen, auch Marken und Unternehmen schaffen Legenden, Mythen – und dadurch leicht reproduzierbare Zusammenhaenge, derer wir uns bedienen koennen, wenn wir mehr brauchen, als wir sind. Ein Red Bull Logo auf unserem Mountainbike-Helm verwandelt uns von Sonntagsfahrern in Extremsportler, Bacardi-Aschenbecher lassen das Feuerwehrfest zumindest auf Fotos wie eine Strandparty aussehen.

All das steuern oder konsumieren wir, zu all dem haben wir eine Meinung. Neue Online-Medien bieten uns eine Fuelle von Moeglichkeiten, diese auch kundzutun. Die Chancen dabei jemanden zu finden, den unsere Meinung interessiert, stehen dank der Funktionsweise und Reichweite von Social Media gut.
Wir halten uns fuer Beeinflusser und wir glauben, dass andere uns auch so wahrnehmen. Das ist eines der Kernergebnisse der Universal McCann-Studie „When did we start trusting strangers?“ zum Entstehen und zur Wirkung von Vertrauen in Online-Medien. – All das sind Gruende, noch mehr zu reden, noch mehr Zusammenhaenge und Werte-Universen zu erzeugen

Inflation von Expertise

Jeder ist Experte; die Vielzahl von Meinungen schafft Vertrauen – schlicht durch Praesenz: Weil es Kommunikation, Vielfalt, Widerspruch gibt wirkt der Ausschnitt, den wir wahrnehmen, fuer uns vertrauenswuerdig – schliesslich hat er sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt.
All das sind formale Kriterien; die Diskussion zu Vertrauen in Onlinemedien und Kriterien von Vertrauenswuerdigkeit in der Onlinekommunikation wird nach wie vor oft ueber formale Merkmale gefuehrt. Gibt es Guetesiegel, Kommentare, Pagerank oder andere Insignien digitaler Kompetenz?
Gibt es die nicht, gibt es gar Hinweise auf versteckte, antiquierte, langwierige Ausfuehrungen? – Der Inhalt selbst hat in dieser Fragestellung noch keine Rollle gespielt.
Die Universal McCann-Studie offenbart bei naeherem Hinsehen eine Schattenseite der sozialen digitalen Kommunikation und der in diesem Rahmen vorherrschenden Perspektive auf Vertrauen: Es wiederholt sich das Prinzip, dass derjenige recht hat, der am lautesten schreit .
In Zahlen ausgedrueckt: Aktive Social Media User posten sehr haeufig Meinungen (28%), Empfehlungen zu Webseiten (32%), sie reden ueber Lieblingsmusik (29%) oder sie posten Fotos (50%).
Die Empfehlungen richten sich nach persoenlichen Erfahrungen, Erfahrungen von Bekannten oder Empfehlungen von Freunden folgen auf den Plaetzen. Die Schlusslichter unter den Empfehlungsmotiven fuer aktive Social Media-User sind Empfehlungen von Celebrities, Empfehlungen von etwas, das als fashionable gilt oder von etwas, das in der angsprochenen Zielgruppe noch nicht so bekannt ist.
Bildung, Geschlecht und Alter haben auf die Frage, in wie weit wir in Social Media und Social Networks aktiv empfehlen oder anderen Empfehlungen vertrauen, wenig Einfluss.
Die Grenzen zwischen Aktivitaet und Passivitaet verlaufen eher entlang inhaltlicher Kriterien: Bei Essen, Getraenken, Filmen und Buechern sehen wir uns als Influencer, bei den Themenbereichen Kosmetik, Autos, Finanzen oder Immobilien neigen Social Media-User eher dazu, andere zu fragen oder redaktionellen Inhalten herkoemmlicher Medien zu vertrauen.

Soweit zu den Grunddaten der Gesamtheit der Social Media User. Superinfluencer , die zu einem ueberwiegenden Teil empfehlen und aktiv Inhalte posten, die gefragt werden und weniger selbst fragen, wurden als eigene Zielgruppe noch einmal detailliert charakterisiert.
Die grundlegende Einstellung der Superinfluence: Sie bezeichnen sich als die ersten, die gern was ausprobieren, moegen Risiken, verbringen viel Zeit mit Freunden, werden von anderen oft nach ihrer Meinung gefragt, moegen Herausforderungen und Veraenderungen, probieren gern neue Produkte und bezeichnen sich als abeteuerlustig.
Bei der Bewertung dieser Charakteristika liegen sie zwischen 30 und 50 Prozent ueber dem Durchschnitt der Social Media User.
Die Gegenprobe liefert fuer die Qualitaet unserer digitalen Kommunikation schockierende Ergebnisse : Den Superinfluencern ist es nicht wichtig, gut informiert zu sein, sie interessieren sich nicht fuer andere Kulturen, sie sehen sich auch nicht als Optimisten – bei diesen Kriterien liegen die Werte der Superinfluencer nur um 5 Prozent ueber dem Durchschnitt.

Sind online ausgesprochene Empfehlungen also banale, unqualifizierte Raunzerei, wie sie uns an jedem Wirtshaustisch begegnet?

Produktion statt Reflexion, Reichweite als Kriterium per se

Reden ist wichtiger als Zuhoeren – das ist eine Tatsache, deren Bedeutung in der neuen Onlinewelt noch staerker ausgepraegt ist. Reden faellt leichter – Zuhoeren wird oft durch den Hinweis auf Informationsueberflutung vermieden.
Auch dafuer gibt es Indizien in den Verhaltensmustern der Superinfluencer: Der Upload von Videos und Fotos liegt an erster Stelle der Medienaktivitaeten, der Konsum von Videos und Bildern anderer User dagegen an letzter Stelle. Superinfluencer verbringen auch mehr Zeit damit, selbst Blogs zu schreiben, als andere Blogs zu lesen. Geht es im Zirkus der neuen Medien also nur darum, Geraeusche zu erzeugen ohne links und rechts zu schauen?

Die Motive der Superinfluencer fuer ihre Empfehlungen und anderen Medienbeitraege sind jedenfalls weit mehr profilierungsgetrieben als die durchschnittlicher User: Superinfluencer empfehlen Services, Webseiten oder Produkte vorrangig weil sie von Celebrities genutzt/empfohlen werden, weil sie fashionable sind, weil sie unter der angepeilten Zielgruppe noch unbekannt sind – persoenliche Erfahrungen stehen in dieser Usergruppe am Ende der Motive.

Dieses Wissen relativiert das Vertrauen in Online-Kommunikation deutlich. Vervielfaeltigung statt Vertiefung, Verbreitung statt Erweiterung, Reproduktion statt Innovation sind nicht die Vorzuege, die neue Online-Medien bringen sollten.
Die Dichtheit hochfrequenter Kommunikation, die leichte Verfuegbarkeit immer weiterer Information, die Reduktion auf gerade jetzt aktuelle Aussagen und die Passivitaet, zu der einmal freigesetzte Information verurteilt, sind keine Komponenten, die aktiv zur Entstehung von Vertrauen und Glaubwuerdigkeit beitragen: In schnellen Medien wie Social Networks oder auch in kontextlosen Medien wie RSS-Readern ist immer nur eine Information des Absenders praesent, alles andere tritt in den Hintergrund. Zusammenhaenge sind verfuegbar, draengen sich aber nicht auf. Der Sender hat nicht die Moeglichkeit, in dieser zerstreuten Rezeption das Aequivalent eines Leitartikels zu deponieren – dieser eine jetzt sichtbare Artikel muss fuer sich alleine sprechen. – Und das vor dem Hintergrund, dass wir es aller Wahrscheinlichkeit nach mit unqualifizierter Reproduktion von (alten) Nachrichten zu tun haben?

Trotz allem funktioniert immer etwas

 

Warum funktioniert Kommunikation, warum funktionieren neue Online-Medien trotzdem? – Praesent ist immer nur ein Bruchteil; der Rest, die gesamte Online-Identitaet eines Users oder eines Unternehmens, ist aber immer nur wenige Klicks entfernt. In der Einschaetzung des Aufwands zur oder der Plausibilitaet der Ueberwindung dieser aus wenigen Klicks bestehenden Barriere liegt eine der groessten Differenzen zwischen Sender und Empfaenger im Bereich der Online-Kommunikation zu Grunde. „Es steht ohnehin alles weitere auf unserer Homepage; die Inhalte sind aktuell, Navigation und Informationsarchitektur sind usability-getestet – es gibt keinen Grund, diese Information nicht zu finden und nicht zu verstehen“, mag sich der Absender denken. ““Vielleicht klicke ich eines Tages wirklich auf diesen Link – aber jetzt habe ich mich schon zwei Minuten lang mit dieser Nachricht/diesem Absender/diesem Unternehmen beschaeftigt, ich muss mich jetzt um etwas anderes kuemmern„, ist eine der moeglichen Gegenpositionen des Users. Oder: „Diese Nachricht ist von heute; ich gehe davon aus, dass alles drin steht, was wichtig ist“ Oder: „Wenn es weitere wichtige Informationen gibt, werden sie mir hier in meinem bevorzugten Kanal (RSS Reader, Twitter, Social Network, …) begegnen.“Oder: „Interessant; wie sieht denn das Profil des Users/Unternehmens aus; wo kann ich auf einen Blick mehr erfahren?“ – Das Szenario, dass aus zufaelligen Nachrichtenempfaengern interessierte regelmaessig wiederkehrende User der eigenen Webseiten werden, ist eher die Ausnahme. Wir wissen vieles ein bisschen – diese Art von Information hat zugenommen, das bisschen, ueber das wir vieles wissen, ist nicht wesentlich mehr geworden.

Online Vertrauen erfordert neue Spielregeln

Wir wollen User zu unseren anderen (Online)Informationsinhalten anziehen, um sie besser erreichen, direkter ansprechen zu koennen, um eine breitere Basis fuer Vertrauen zu haben. – Dafuer haben sich die Spielregeln grundlegend geaendert. Die Bereiche, in denen wir mehr gezielt von uns offenlegen muessen, um vertrauenswuerdig zu sein, sind mehr geworden. Eine Webseite, die passiv auf User wartet, ohnehin da ist, sich aber nur dem wirklich neugierigen und hartnaeckigen User erschliesst, ist nur ein Bruchteil der geforderten Praesenz. Wir koennen davon ausgehen, dass vielleicht ein Prozent der angesprochenen User aus unserem Umfeld reagiert, wenn wir Links oder Empfehlungen in Social Networks posten, wenn wir unser Blog promoten. Jeder 250. User (also ein Viertel dieses einen Prozents) macht das sichtbar (in Form von Kommentaren oder Bewertungen). Die restlichen 99 oder 99,75 Prozent sind scheinbar verloren – sie nehmen aber wahr, wenn wir haeufig zu einem Thema posten. Sie machen sich ein Bild von uns, ohne uns begegnet zu sein oder angeklickt zu haben, wir koennen zum Experten fuer ein Thema werden, ohne dass sie jemals einen Beitrag von uns dazu gelesen haetten – im Extremfall sogar, ohne dass wir jemals einen Beitrag dazu geschrieben haetten. Die Kurzfassung – zwei Zeilen, 140 Zeichen, 160 Zeichen, was in dieser Anwendung gerade Platz hat – entscheidet.
Das ist, womit wir wahrgenommen werden. Das ist, was die Superinfluencer wahrnehmen und weitergeben koennen.

Vertrauen wird also durch sorgfaeltig und gruendlich aufgebaute Portale, durchdachte Kommunikationsstrategien und schnelle kurze Postings gleichermassen beeinflusst. Welchen Wert hat diese Art von Vertrauen? Anhand welcher Kriterien laesst sich die Wirkungsweise messen? Was koennen wir ueber die Nachhaltigkeit des so oder so gewonnenen Vertrayuens sagen? – Das ist ein offenes Forschungsfeld, auf dem es verschiedene Ansaetze gibt. Die formal orientierten Versuche, die Guetesiegel, Qualitaetskennzeichen, digitale mit Usergeschichte und Verhaltensprofilen unterlegte Ausweise einfuehren, verursachen und verstaerken eher das Problem, das sie zu loesen versuchen:Warum soll ich gerade diesem oder jenem Ansatz trauen, warum brauche ich einen Mittelsmann oder eine dritte Institution, um einem anderen User zu vertrauen?
Fuer die Loesung sind eher qualitative Aspekte wichtig – aber auch die Menge spielt eine Rolle: Je oefter ich von einem User, von einem Unternehmen etwas hoere, das kein vollkommener Unsinn ist, um so eher bin ich geneigt, mich mit einer weiteren Botschaft im Ernstfall dann auch auseinanderzusetzen.

Waehrend die Moeglichkeit von Vertrauen ein eigenes weites Feld in der Beschaeftigung mit Online-Medien darstellt, steht hier zusaetzlich auch der Wert von Wissen zur Diskussion:

  • Wozu muss ich etwas wissen, wenn ich auch mit nicht fundierten, geradezu dummen Aussagen Einfluss und Reichweite gewinnen kann?
  • Welchen Wert hat Wissen, das nur wenige Klicks von mir entfernt ist, das ich mir jederzeit aneignen und auch genau so schnell wieder vergessen kann?
  • Welchen Wert hat inhaltliches Wissen, wenn ich mit fomaler Medienkompetenz und den passenden Werkzeugen ausgestattet, innerhalb weniger Minuten genauso gebildet, erfahren und versiert wirken kann?

Nicht nur Vertrauen ist eine Qualitaet, die sich durch Onlinemedien veraendert, auch das notwendige Misstrauen, das wir in manchen Interaktionen aufbringen muessen, definiert sich neu: Wir brauchen Kritieren, um einschaetzen zu koennen, ob Wissen erfahren oder ergooglet ist.

Wo liegt der praktische Wert?

  • Fuer Kommunikationsprofis: Einfachheit und Redundanz sind wichtiger denn je.
  • Fuer User: Vertrau lieber dir selbst, als dem, der am meisten redet.
  • Fuer den interessierten Medienbeobachter: Das sensible Zusammenspiel von Zurueckhaltung und Aktivitaet, von Praesenz und Penetranz, Ueberzeugung und Verachtung, Vertrauen und Mimsstrauen in neuen Online-Medien birgt ein nahezu unerschoepfliches Potential an Fragestellungen.