Der Protest als Marketingpraktikum



Uniprotest

Die Audimax-Besetzung ist Geschichte, der Weg ist frei fuer Legenden.
Worum ging es eigentlich, und warum wurede dieser Protest zum Thema? In einer Minidoku analysieren Beteiligte und Wiener Web-Speersitzen Meilensteine und Gruende des Erfolgs und der Aktion an sich.

Huebsch. Aber einige Punkte fallen mir auf:

  • Dort sitzt ein junger Mann und predigt Zahlen, die dem Reichweiten-Kleinkrieg zwischen derstandard.at und oe24.at zur Ehre gereichen wuerden, mit den gleichen falschen Messgroessen ("Unique Users"). - Und das ohne die Wahl einer Miss Audimax... Worum ging es nochmal, sollten Werbeplaetze verkauft werden?
  • "Der Protest verläuft umgekehrt. Er kann gestartet werden und dann eine kritische Masse erreichen. Früher musste zuerst die Masse da sein, dann konnte protestiert werden." ist ein gern zitierter Tweet zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Proteste. - Das ist eine Definition klassischen Marketings wie aus dem Lehrbuch (zwischen den Zeilen gelesen), oder gab es eine kritische Masse - sprich einen Kundenkreis - fuer Minivans, iPhones oder Handhygiene-Gel fuer unterwegs, bevor es die Produkte und die entsprechende Kommunikation gab?
  • Der Livestream sorgt fuer Transparenz, heisst es. Stimmt - besser als es Vermummungsverbote und polizeiliche Sicherheits-Ueberwachungsmassnahmen koennen. Die totale Praesenz von Ueberwachung kehrt sie in ihr Gegenteil: Wenn jeder Zugriff auf Ueberwachungsdaten hat, sind sie fuer den Ueberwacher wertlos. - Und ess war ja niemand gezwungen, im Audimax zu erscheinen oder gar dort etwas zu tun, was nicht fuer die Oeffentlichkeit bestimmt war. Einerseits schafft(e) das eine weitere kleine Auftrittsmoeglichkeit fuer Undergroundbands, andererseits oeffnet das auch anderen Argumenten zu Transparenz, Oeffentlichkeit und Sicherheit mehr als eine Hintertuer: Denn wir muessen schliesslich nirgends etwas tun, von dem wir nicht wollen, dass es mit uns in Verbindung gebracht wird.

Es ist unmoeglich, Protest zu kritisieren oder gar zu verlangen, wie wofuer demonstriert werden soll. Jede Aktion hat ihre eigene Substanz.
Diese hat auf besonders schoene Art und Weise gezeigt, wozu die oesterreichischen Unis heute gut sind
: Wer den Willen und die Hartnaeckigkeit hat und sich das Notwendige selbst arranngiert, kann seine Zeit dort sinnvoll verbringen. Wer darauf wartet, irgendetwas Verwertbares serviert zu bekommen, muss wohl noch laenger warten und hatte mit den Besetzung das spannendere Unterhaltungsprogramm. Lehrplaene und Abschlusszeugnisse sind Randerscheinungen; relevant ist der persoenliche Nutzen, den Studenten aus ihrer Unizeit ziehen. Ziemlich egoistisch und irgendwie undemokratisch, aber ziemlich wahr.

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